XIX. Kapitel.
DIE ERRICHTUNG DER RÖMISCH-TUSZISCHENKONGREGATION.
Der hell leuchtende Ruhm, welchen Savonarola in ganz Italienund weit über die italienischen Grenzen hinaus genoß, strahltenaturgemäß auf das Kloster zurück, in welchem er lebte undwirkte, und weckte in vielen Herzen das sehnsüchtige Verlangen,alles zu verlassen und mit dem Ordenskleide des heiligen Domini-kus das höchste Glück für Zeit und Ewigkeit aus der Hand desPropheten entgegenzunehmen, dem die erhabene Kunst der See-lenleitung wie keinem vertraut war. Daß er auf gewissenhafte Be-obachtung der Regel drang und das schlappe Treiben nicht litt,durch das sich so viele Klöster zu bequemen Versorgungsanstaltenerniedrigten 1 , zog ernste Seelen, die alle Halbheiten verschmähten,weit entfernt, sie abzuschrecken, im Gegenteil erst recht an; stetsüben ja jene Persönlichkeiten und Körperschaften einen unwider-stehlichen^Zauber aus, die den Mut zu sich selbst aufbringen undihre Grundsätze zu Ende denken. So wäre S. Marco der Zufluchts-ort zahlreicher gottsuchender Männer geworden, selbst wenn derFrate nicht noch ausdrücklich auf der Kanzel für den Ordens-beruf geworben und die Seligkeit eines frommen Klosterlebens inden lockendsten Farben ausgemalt hätte 2 . Freilich ließ er auchkeinen Zweifel darüber walten, daß es nicht damit getan sei, Ge-lübde abzulegen, wenn sie nachher nicht auch getreulich eingelöstwürden. „Besser", sagte er, „ein guter Laie als ein schlechterMönch. Besser, keine Gelübde leisten, als sie später brechen. Solchpflichtvergessenen Mönchen steht das traurige Los bevor, das einstdas lügnerische Ehepaar Ananias und Saphira ereilte (Apg. 5,1 ff.) 3 . Kein Unberufener sollte daher mit dem heiligen Gewändebekleidet werden 4 ." Bettuccio, der Goldschmied, der spätere Bru-der Benedikt, sein feuriger Verehrer und Anhänger, mußte eineharte Probezeit durchmachen, ehe sich ihm die Klosterpforte er-schloß 5 . Vielen Bewerbern wurde die Aufnahme ganz verweigert 6 .