366 DIE PREDIGTEN ÜBER RUTH
der Frankenkönig, der mit geringem Heere in wenigen Wochenganz Italien bezwungen hatte; und dort der Kaiser, der Schutzherrder Christenheit, der, vom verrufenen Herzog von Mailand wie eingewöhnlicher Bandenführer angeworben, an der Eroberung einereinzigen Stadt kläglich scheiterte! Wie von einem furchtbaren Alp-drucke befreit, atmeten die Florentiner erleichtert auf. Je schwäch-licher ihre Gegenwehr gewesen war, um so weniger vermochten siesich dem starken Eindruck zu entziehen, ihre Rettung sei daswunderbare Werk des Allmächtigen selbst gewesen, der allein überWind und Wetter gebeut 162 . Und der Frate war sein Prophet. „DieKönige der Erde", rief er nach dem Abzüge des Kaisers frohlockendaus 163 , „hatten sich versammelt, die ganze Welt schien sich widereuch verschworen zu haben. Nun danket Gott, der euch errettethat! Bringet würdige Früchte der Besserung! Schaffet die Spielerund Gotteslästerer ab! Nehmet euch des Gemeinwesens an, spen-det gerne für die Stadt und gebt den Armen zu arbeiten. So werdetihr auch künftigen Trübsalen entrinnen." Mit grenzenloser Ver-ehrung blickte das Volk zu dem Manne empor, der wiederum soauffällig recht behalten und sich als „wahrer Prophet und DienerGottes bewährt hatte, uns zum Erweise wunderbarer Großtatengesandt" 164 .