3 §8 DIE RÖMISCH-TUSZISCHE KONGREGATION
Prosper Pitti, Kanonikus am Dome zu Florenz und Pfarrer vonS. Alexander, ein Mann heiligmäßigen Wandels, der ebenfalls umdas Ordenskleid bat, wurde zu seinen Pfarrkindern zurückge-schickt, bei denen er größeren Segen stiften könne 7 . Trotz dertraurigen Erfahrungen, die er mit so vielen Ordensleuten machte,ließ der Frate nicht ab, den Ordensberuf aufs wärmste zu empfeh-len; er zog sich hierdurch den Vorwurf des Novizenfanges zu, auchseine Kinderreform stieß nicht zuletzt aus dem Grunde auf Wider-stand, weil man in ihr eine verkappte Form der Mönchswerbungargwöhnte 8 . Der Frate kümmerte sich wenig um solche Klagen.Er warnte die Eltern, ihren Kindern beim Verlassen der WeltSchwierigkeiten in den Weg zu legen, und führte ihnen die Ver-geblichkeit solcher Bemühungen vor Augen. „Der Zug der Gnade",erklärte er, „ist unüberwindlich. Selbst wenn du deinen Sohnnach Frankreich schickst, um ihn vom Eintritt ins Klosterabzubringen — es hilft dir nichts; und sogar wenn du dasMönchswesen, wie einst ich, förmlich verschwörst — wenndu dazu bestimmt bist, so wirst du ihm nicht entrinnen, dumagst wollen oder nicht 9 ."
Die Einladung des Frate, ganz besonders aber das ein-drucksvolle Beispiel seines heiligmäßigen Ordenslebens, hat-ten einen Erfolg, der alle Erwartungen übertraf. Währenddie Zahl der Eingetretenen nach Ausweis der Einträge imBuche der Gelübde der Klosterchronik im ganzen letzten
Jahrzehnt vor dem Priorate Savonarolas nicht mehr als 18 be-llI tragen hatte, schnellte sie in den sieben Jahren vom Beginn seiner
| Vorsteherschaft bis zu seinem Tod auf 130 hinauf, um hernach so-fort auffällig abzunehmen und im Jahre 1500 auf 3, 1501 auf 8,1502 auf 2, 1503 auf 1 herabzusinken. Unter den Aufgenommenenbegegnen uns Träger der stolzesten Namen der Stadt 10 , Acciajuoli,Pitti, Rucellai, Salviati, Strozzi, Vespucci, Medici; Angehörige allerGesellschaftsklassen, Berufe, Stände und Lebensalter; vornehmeBürger, die soeben noch die höchsten Würden und Ehren desStaates bekleidet hatten, und arme Hirten, die von den Bergenhernieder stiegen; zarte Jünglinge, schier noch Kinder, und reife,dem Greisenalter nahe Männer; Gelehrte von höchstem Ruf, Hu-manisten, Juristen, Kanonisten, Künstler, Musiker und Buchhänd-ler, und einfältige, aller Bildung bare Leute; Geistliche verschie-denen Ranges, Domherren, Pfarrer, Kapläne und Juden, noch vom