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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
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3 58 DIE PREDIGTEN ÜBER RUTH

kennbar hatte jedoch die kaiserliche Gesandtschaft großen Ein-druck in Florenz gemacht; sein Ansehen ging daher sichtlich zu-rück.Wie es scheint, bin ich gestürzt", sagte er selbst 106 . Neuer-dings beklagte er sich über die Undankbarkeit, Unverständig-keit und Bosheit des Volkes, dem er Unglück und Wehe in Aus-sicht stellte 107 . Seine Anordnungen über die Kinder- und Frauen-reform blieben nicht nur immer noch unbefolgt, sondern erntetenauch vielfach lauten Tadel, nicht, als wären sie nicht am Platzegewesen, sondern, wie die Gegner offen zugaben, weil sie von ihmkamen 108 . Denn man hatte es auf die Untergrabung seines An-sehens abgesehen, auf daß es auswärts nicht länger heiße, einMönch beherrsche die Stadt Florenz. Es war ein Zeichen der Zeit,daß es Jakob Pitti, der damalige Bannerträger der Gerechtigkeit,wagen durfte, dem P. Dominikus von Pescia für den 9. Oktober,den Gedenktag der Einnahme Pisas durch Florenz (im Jahre1406), die Predigt im Dome zu verbieten und dafür einem Fran-ziskaner zu übertragen. Dominikus bestieg gleichwohl die Kanzelund erklärte, er lasse sich den Mund nicht verbieten, selbst wenner in Stücke gehauen werde. Wenn sich manche höhnisch daraufberiefen, daß das Ansehen des Frate bedeutend zurückgehe, sokönne hiervon gar keine Rede sein, denn eher stürzten Himmelund Erde ein, eher gingen Engel und Erzengel, Cherubim undSeraphim, die seligste Jungfrau und sogar Christus zugrunde.Die Signorie betrat jedoch erst nach Beendigung dieser Predigtden Dom, um dem Hochamte beizuwohnen, unter welchem dervon ihr bestellte Franziskaner eine Ansprache hielt und auf denVorfall mit Dominikus Bezug nahm 109 . Im Schöße der Signorenward sogar der Gedanke erwogen, an Stelle der Brüder vonS. Marco einen Mann mit der Predigt zu betrauen, der das Volkzur mannhaften Verteidigung der Freiheit, die dank den lässigenBemühungen des Frate in Gefahr schwebe, anzufeuern verstünde.Man suchte zunächst den gefeierten Kanzelredner Marian vonGennazano zu gewinnen; als dieser wegen Kränklichkeit ablehnte,wandte man sich an den Prediger von Heilig-Kreuz 110 . Das Ganzewar natürlich das Werk der Arrabbiaten, die den durchsichtigenZweck verfolgten, dieFreiheit" durchzusetzen, wie sie sie ver-standen und der Frate freilich nicht dulden wollte. Wiederumdurfte sich dieser wochenlang nicht auf der Kanzel zeigen 111 .Zwar schöpften seine Anhänger bei der Nachricht wieder etwas