KARL DER GROSSE DEUTSCHER 3 57
sich neuerdings mit der Absicht einer italienischen Eroberung, ob-gleich ein großer Teil der Halbinsel, besonders Florenz und Pisa,dem kaiserlichen Schutze unterstehe. Denn Karl der Große, indem die Florentiner ihren Wohltäter verehrten, sei nicht ein *t». fr,->Franzose, sondern ein Deutscher gewesen, Deutsche müßten siealso als ihre Wohltäter betrachten und nicht diesen Karl VIII.,der-als Sproß Hugo Kapets nicht rechtmäßiger König von Frank-reich, sondern bloßer Eindringling sei. Wohl habe ihm derKaiser die Eroberung Neapels gestattet, da er wider die Ungläubi-gen zu ziehen vorgab, ein Versprechen, das er schmählich gebro-chen habe. Da nun aber die schlimme Absicht der Franzosen ent-larvt sei, so obliege der Signorie die Entscheidung, ob sie nochlänger zur Zerstörung Italiens und zu ihrem eigenen Untergangebeitragen oder nicht lieber dem Kampfe wider Pisa entsagen undihren Streit mit dieser Stadt der Entscheidung des Kaisers anheim-stellen wolle 07 . Doch vermochten die kaiserlichen Gesandtenden gewünschten Bescheid nicht zu erlangen; sie mußten sich mitder Erklärung der Signorie zufrieden geben, die Stadt werde demKaiser ihren Entschluß durch eine eigene Gesandlschaft unter-breiten 08 . Die Arrabbiaten freilich waren Feuer und Flamme fürdas kaiserliche Begehren; um so weniger konnten sich ihre Geg-ner mit ihm befreunden".
Nachdem er seit dem 3. Juli geschwiegen hatte, nahm der Frateam Feste Maria Himmelfahrt in Gegenwart der Signorie die Predigtwieder auf 100 . Auch am Feste des heiligen Bernhard, am selbenTage, an welchem die Gesandten ihre Botschaft ausrichteten,sprach er im großen Ratssaale vor der Signorie 101 . Da in der Bür-gerschaft viele murrten, so rechtfertigte er sich mit der Beteuerung,wenn er das Volk durch Berufung auf göttliche Mitteilungen ge-täuscht habe, so habe Gott ihn und sie alle getäuscht; da dieseine Gotteslästerung wäre, so könne auch von einer Täuschungseinerseits keine Rede sein 102 . Er bezeichnete den großen Rat als dasgrößte Glück für die Stadt, bestritt, daß er alles beherrsche undlenke, und verwahrte sich namentlich auch gegen die Behauptung,als habe er zum Bündnis mit Frankreich oder der Liga geraten 103 .Er gab aber zugleich zu verstehen, daß er sich von einem Bünd-nisse mit „jenem großen Herrn", nämlich dem Kaiser, nichts ver-spreche 1 " 4 ; in Kreisen der Liga ward er jedenfalls dahin verstan-den, daß er nach wie vor treu zu Frankreich stehe 105 , Unver-