DIE GEFÄLSCHTEN BRIEFE 3 5i
ler zu bezeichnen, der die Leute in seinen Predigten zum bestenhalte, worauf ihm bedeutet ward, er möge den Frate in Ruhelassen, wenn ihm sein Leben lieb sei 66 . Der Gesandte, vom franzö-sischen Hofe schon bisher ohne die nötigen Geldmittel gelassen,,bat nun um seinen Geleitschein zur Heimkehr 67 , die jedoch erst imMai 1497 erfolgte 68 . Auch der Signorie ließ der Mohr ob solchenBriefwechsels des Frate mit Frankreich Vorstellungen machen.Sie maß der Sache jedoch keine große Bedeutung bei und gab zurAntwort, sie wisse nicht, ob der Frate die Briefe wirklich geschrie-ben habe; wäre dem aber auch wirklich so, so hätte sie dochnichts dagegen, da die Briefe ja nur die Bitte um baldige Rückkehrdes Königs aussprächen, um die sie diesen auch selbst wiederholtschon gebeten habe, ohne sich eines Unrechtes wider Mailand be-wußt zu sein 69 . Ähnlich äußerte sich der Prophet selbst auf derKanzel. „Ich höre," sprach er 70 , „du murrst über mich: ,0 Frate,es wurden Briefe gefunden.' Weißt du, welche Bewandtnis es da-mit hat? Es hat die Bewandtnis, daß du nicht eher redest, bevordu Genaueres weißt. Ich hörte davon sprechen," sie wurden auchmir gebracht, ich sah sie ein." „Gut, was scheint dir nun?" „Mirscheint, es steht alles gut, und jeder Florentiner, der kein Feindseines Vaterlandes ist, kann sich darüber nur aufrichtig freuen.Du kannst dem Verfasser, sei dies nun ich oder sonst irgend je- e^p* <hy r*mand, nur dafür dankbar sein." Der Frate konnte sich um so zu- vz»^ ;versichtlicher in diesem Sinne aussprechen, als er wohl wußte, daßer nicht bloß die Signorie, sondern auch einen so angesehenenund würdigen Kirchenfürsten, wie es der Kardinal Peraud war,durchaus auf seiner Seite hatte. Denn auch er machte aus seinerheißen Sehnsucht nach der Ankunft französischer Truppen keinHehl; blieben sie aus, so schrieb er an den Kardinal Julian dellaRovere 71 , so wäre das für die Kirche höchst bedauerlich, da dieungeheuren Ärgernisse, die wie in der ewigen Stadt, so anderwärtstäglich gegeben würden, eine ständige Gefahr für die ganze Chri-stenheit bildeten.
Wie dem Mohren, so boten die unterschlagenen Briefe natür-lich auch den Arrabbiaten willkommene Gelegenheit, über den Frateherzufallen, den sie geradezu beschuldigten, den gänzlichen RuinItaliens zu betreiben 72 . Sie gössen damit öl ins Feuer der herr-schenden Zwietracht, die das größte Unglück der Stadt bildete 73 .Immer noch tobte der Streit um die Verfassung in den Reihen der