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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
350
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3 5o DIE PREDIGTEN ÜBER RUTH

Glauben verdiene; er fügte bei, daß er hierüber auch nach Rom be-richten werde 60 . Herzog Herkules schickte die Schreiben unver-weilt nach Florenz an Manfredi, der sie seinerseits sofort dem Pro-pheten vorlegte. Dieser versicherte, seit einem Jahre habe er we-der an den König noch an sonst jemand in Frankreich geschrie-ben 61 , da er wohl wisse, seine Schreiben vermöchten jenen dochnicht zur Beschleunigung seines Zuges zu bestimmen, dann auchaus Furcht, die Briefe könnten unterwegs in der Lombardei abge-fangen werden 62 . Man brauche ja nur, wie ,er schon dem mailän-dischen Gesandten bemerkt habe 63 , seine Handschrift mit den Zü-gen der abgefangenen Briefe vergleichen, um zu erkennen, daßdiese nicht von ihm herrührten; und ebensowenig habe er sie an-fertigen lassen. Sie seien wohl hier in Florenz verfaßt und dannabgesandt worden, um in der Lombardei aufgefangen zu werden,zu dem Zwecke, ihm zu schaden und ihn in Verruf zu bringen 64 .Für diese Vermutung des Frate sprach sehr deutlich der Um-stand, daß die Briefe offensichtlich dem Zwecke dienten, ihnnoch mehr mit dem Erzbischofe von Aix zu verfeinden. DenMitteilungen des damaligen florentinischen Gesandten FranzGualterotti zu Mailand zufolge drängten die Briefe den Kö-nig im Namen Gottes zur baldigen Rückkehr nach Italien; Karldürfe seine florentinischen Freunde, die ihm so treu und unter sovielen Opfern und Widerwärtigkeiten gedient hätten, nimmer-mehr im Stiche lassen. Allerdings gereiche ihm aber das Beneh-men seines Gesandten, des Erzbischofs von Aix, nicht zum Vor-teile, weshalb es sich empfehlen würde, ihn abzuberufen 63 . DiesenBrief ließ der Mohr selbstverständlich dem Erzbischofe vorlegen,der sofort den Frate als Verfasser bezeichnete und die Signorie bat,ihm Gelegenheit zur Rechtfertigung zu gewähren. Doch gelang sieihm nicht, wenigstens fiel der Bescheid der Signorie zugunsten desFrate gegen den Prälaten aus, der sich nun in den heftigsten Aus-fällen wider diesen erging. Er schwor, ihn vor allem Volke alsheuchlerischen Bösewicht zu entlarven, und wenn er selbst dieKanzel besteigen müßte. Der Frate bat nun den Kardinal Peraud,der sich im Sommer 1496 zu Florenz aufhielt, um seine Vermitt-lung und ließ den Erzbischof ersuchen, vom Kampfe wider ihn ab-zusehen, da er sonst seine ganze politische Arbeit zugunsten Frank-reichs zugrunde richte. Gleichwohl unterließ es d'Aussonvilliersnicht, den Frate auch dem Kardinale gegenüber als einen Heuch-