DER ERZBISCHOF VON AIX 349
Arrabbiaten zustatten kam, das war einmal ihre Gegnerschaft zuden Bigi, die um der Verhaßtheit der früheren mediceischenRegierung willen allgemein unbeliebt waren. Sodann die außer-ordentliche Kostspieligkeit des französischen Bündnisses 53 , begrün-det in den unersättlichen Geldforderungen des Königs sowie inden gewaltigen Summen, die der zähe pisanische Krieg verschlang.Die Florentiner waren Krämer und gute Rechner; für sie lag allesdaran, ob denn Pisa nicht auch billiger zu erlangen sei. Die herr-schende Geldnot bildete den Gegenstand unaufhörlicher Beratun-gen 54 . Schon fehlte es an Mitteln, um die Truppen bezahlen zukönnen, so daß nichts übrig blieb, als vom Leihhause, ja selbstvon den eben vertriebenen Juden Geld zu entlehnen 55 . Vergeblichmühte sich der Frate ab, die reichen Bürger zu hochherzigerfinanzieller Unterstützung des bedrängten Vaterlandes zu entflam-men 56 . Er blieb gleichwohl von der gehässigen Verleumdungnicht verschont, als mache er die Bewilligung der Kriegsgeldervon der behördlichen Genehmigung der Kinderreform abhängig 57 .Seine Lage verschlimmerte sich durch die Ankunft eines Mannes,von dem er billig alle Förderung hätte erwarten dürfen. Im Maihatte der Erzbischof Philipp Hebert d'Aussonvilliers von Aixseinen Einzug in Florenz gehalten und auch dem Frate einen Be-such abgestattet 58 . Er verhieß nun zwar Pisa; da er aber zugleichein engeres Bündnis mit dem Herzoge von Orleans beantragte undden über die unersättlichen französischen Geldforderungen ohne-hin aufs äußerste empörten Florentinern 59 neuerdings die Entrich-tung von 40000 Dukaten zumutete, so fand er sehr kühle Auf-nahme und ließ seinem Unmute, den er auch auf den Frate, alsden vermeintlichen Urheber seines Mißerfolges, ausdehnte, freienLauf. An dieser Entzweiung der beiden Säulen der französischenPolitik hatten die Gegner des Propheten natürlich die größteFreude, gaben sich aber hiermit noch nicht zufrieden. Im Kampfewider den Frate war ihnen kein Mittel zu schlecht; so schrecktensie auch vor der Fälschung von Briefen nicht zurück. Am23. August las der Mohr in Gegenwart der Gesandten aller Mächte,auch des florentinischen, zwei angebliche Briefe des Frate anKarl VIII. vor, die von ihm abgefangen worden seien. Eine Ab-schrift dieser Briefe händigte er dem ferraresischen Botschafter An-ton Costabili mit dem Auftrage ein, sie seinem Herzoge zu über-senden, der zusehen möge, ob ein Mann wie der Frate noch länger