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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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348
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348 DIE PREDIGTEN ÜBER RUTH

die in seinem Rate alles vermochten und leiteten, des Seneschallsde Vesc und des Kardinals S. Malo. Der Seneschall war vollEifer für den italienischen Krieg, und von ihm angefeuert erteilteder junge Herrscher seine Befehle zu neuen Rüstungen. Der Kar-dinal aber war die Seele der Friedenspartei und hatte es um soleichter, das ganze Unternehmen zu hintertreiben 40 , je mehr ihmdie Abneigung des ganzen Landes gegen das italienische Abenteuer,die allgemeine Geldnot und die Trägheit und Vergnügungssuchtdes Königs in die Hände arbeiteten' 7 . Mit dem Erkalten der fran-zösischen Kriegsbegeisterung erkaltete nun aber sofort auch dieflorentinische Begeisterung für den französischen König, die Ligaund die Arrabbiaten gewannen nunmehr das Oberwasser, es bra-i chen schwere Tage für den Frate und die Frateschen an. Man ver-wünschte das französische Bündnis, das nichts als bittere Ent-täuschungen und drückende Unkosten brachte; man ver-wünschte ganz besonders den Frate, dem man die einzige oderdoch die Hauptschuld an diesem Bündnisse beimaß 48 . Und dochstrafte jede Ratssitzung, jedes amtliche Schreiben an die aus-wärtigen Gesandten und jeder Bericht, der von diesen einlief,diese Beschuldigung Lügen. Selbst in den Tagen, als Neapel denFranzosen bereits entrissen und an eine Rückkehr des Königsfür die nächste Zeit gar nicht zu denken war, rieten Männer wieBernhard Rucellai und Guidanton Vespucci, gewiß keine Fra-teschen, vom französischen Bündnisse nicht abzulassen, da manauf Mailand und Venedig, die selbst nach Pisa verlangten, nichtbauen dürfe. Der einzige unter den Verbündeten, der nicht zu-geben könne, daß eine der italienischen Mächte zu stark werde, seider Papst, denn sonst sänke er zu ihrem Kaplane herab. DieRücksicht auf das Wohl der Stadt erheische daher, sich für alleFälle mit dem Papste gut zu stellen, ohne mit dem Könige zubrechen 40 . Doch lehrte jeder Tag immer aufs neue, daß auch aufden Papst angesichts seiner Wankelmütigkeit und Selbstsüchtig-keit kein Verlaß war. So sehr sich der Mohr gerade jetzt wiederalle Mühe gab, Florenz auf die Seite der Liga zu ziehen 60 dieHerrschsucht der Venetianer, die Verschlagenheit des Mohren so-wie die Feigheit und Habgier des Papstes standen einem solchenAnschlüsse immer wieder im Wege 51 . Gleichwohl schoben dieArrabbiaten alle Schuld auf den Frate und setzten alle Hebel in Be-wegung, ihn zu stürzen und aus der Stadt zu entfernen 52 . Was den