DER FRATE SCHLÄGT DIE KARDINALSWÜRDE AUS 343
Schreiben 18 an den Mohren vom 11. April 1496 verwahrte er sichwider den Vorwurf, als sei er ihm feindlich gesinnt und habe ihnin seinen Predigten angegriffen, er liebe wie alle Fürsten Italiensund alle Menschen auch ihn, könne ihm aber eben deshalb nichtverhehlen, daß auch ihm kein anderes Heilmittel als Buße und Bes-serung übrigbleibe, widrigenfalls es ein schlimmes Ende mit ihmnehmen werde.
Dieses Schreiben übergab er dem mailändischen GesandtenPaul Somenzi zur Besorgung, der seinen Herrn in einem Be-gleitbriefe 17 noch eigens ermahnte, dem Frate doch ja mög-lichst schön zu tun und namentlich die Rückgabe Pisas inAussicht zu stellen, denn bei dem entscheidenden Einflüsse desMönches auf das Volk könne ihm daraus der größte Vorteil er-wachsen. Der Mohr ließ sich dies nicht zweimal gesagt sein. Erleugnete in seiner Antwort 18 sein Mißfallen darüber nicht, daß derFrate auf der Kanzel dem Papste den Gehorsam gekündigt undder lombardischen Kongregation den Rücken gewendet habe; erbeteuerte aber zugleich seine Entschlossenheit, selbst dem frömm-sten Ordensmanne an Bußwerken nicht nachzustehen, und bat nurum Anweisung, welcher Art diese sein sollten. Der Frate er-widerte 19 , der Herzog sei eben falsch unterrichtet und sein Unwilletatsächlich unbegründet gewesen; im übrigen möge er nur auf-richtige Buße tun, sein Gewissen werde ihm selbst sagen, um wel-cher Sünden willen und in welcher Weise diese zu geschehen habe.Somenzi schrieb 20 dem Herrscher, der Frate sei ihm nunmehrbestens gesinnt, und wenn auch die Frateschen in unwichtigenDingen, wie es die Besetzimg der verschiedenen Ämter in denStädten und Burgen der Republik sei, ihre Hand im Spiele hätten,so ruhten doch die wichti gsten Staatsgeschäfte in der Gewalt we-niger Vornehmer, die ihm die feste Zusage gegeben hätten, ihmeine militärische Unterstützung von etwa sechshundert Bewaff-neten oder einigen zehntausend Dukaten zu gewähren, wenn erihnen Pisa ausliefere. Wie der Mohr, so strebte auch JohannBentivoglio von Bologna, sich den Frate warm zu halten 21 . Sogarder Papst bewarb sich um die Gunst des Propheten, den er soebennoch mit dem Kirchenbanne bedroht hatte. Wiederholt sandte erseinen Sohn 22 unerkannt jiach Florenz, um sich mit dem Frateunerkannt über die Haltung zu beraten, die er in den obwaltendenpolitischen Schwierigkeiten zu befolgen habe; und er bot ihm die