Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
327
Einzelbild herunterladen
 

UNWILLE DES PAPSTES 327

ins Feuer zu gießen. Der Papst war aufs äußerste aufgebrachtund ließ sich durch die Erklärungen und Entschuldigungen, dieBecchi im Auftrage der Signorie vorbrachte, nicht beschwichtigen.Um der Stadt seine volle Ungnade zu bezeigen, schlug er ihr trotzder angelegentlichen Bemühungen der Kardinäle von Neapel,Genua, Perugia und Segovia den Jubiläumsablaß ab, den er ihrzur Osterzeit sonst zu erteilen pflegte, und ließ ihr melden, daßer vor allem sie selbst für die Predigt des Frate, besonders aberdafür verantwortlich mache, daß dieser vom ganzen römischenHofe übel spreche, sich schriftlich wie mündlich für einen Pro-pheten ausgebe, der mit Gott, der seligsten Jungfrau und den Hei-ligen rede und künftige Dinge vorhersage, der ferner die Freiheitder Entschließung und Beratung aufhebe und endlich zur Schmachund Schande des florentinischen Volkes gar noch Kindern eineunerhörte Gewalt einräume 26 . Zwar unterließ es die Signorienicht, solche handgreifliche Übertreibungen zurückzuweisen. Es -sei lächerlich, zu behaupten, der Frate habe die Herrschaft überdie Stadt an sich gerissen; er habe nach ihr ebensowenig gestrebt,wie er von der Bürgerschaft niemals auch nur mit der geringstenMachtbefugnis ausgestattet worden sei. Ebenso habe er in seinenPredigten die Schranken eines frommen, auf Gottes Ehre bedach-ten Ordenmannes niemals überschritten und vom Papste, denKardinälen und dem römischen Hofe stets mit Zurückhaltunggesprochen. Wer das Gegenteil ausstreue, entferne sich von derWahrheit 27 . Es zeigte sich jedoch immer wieder, daß der eigent-liche und tiefste Grund der päpstlichen Beschwerden in politi-schen, nicht in kirchlichen Erwägungen lag, was bei der ent-schiedenen Gegensätzlichkeit der beiderseitigen politischen Pläneund Ziele eine Verständigung äußerst erschwerte. So drehte sichdie U nterredung , die der Papst dem florentinischen GesandtenNikolaus Pandolfini, Bischof von Pistoja, am 23. März 1496gewährte, hauptsächlich um die Politik und nur nebenbei umden Frate. Als Pandolfini diesen in Schutz nahm und bemerkte,da die Predigt auf die Erlaubnis eines Kardinals hin aufgenom-men worden sei, so könne man der Stadt ihre Duldung doch nichtals Auflehnung gegen den Heiligen Stuhl auslegen, lenkte Alexan-der VI. das Gespräch sofort wieder auf das politische Gebiet überund sagte:Gut, wir wollen von Bruder Hieronymus gegenwärtignicht reden, dazu wird sich ein andermal bessere Gelegenheit