328 DIE PREDIGTEN ÜBER AMOS
bieten 28 ." Und wie für den Papst, so trug der Handel mit demFrate erst recht für die Liga ein durchaus politisches Gepräge.Schon im Januar, noch ehe der Frate seine Predigt begonnen hatte,stellte der mailändische Gesandte Paul Somenzi seinem Herrn inAussicht, in den allernächsten Tagen hoffe er den Frate als Feindund Betrüger des Volkes entlarvt und den völligen Bruch zwischenihm und diesem bewerkstelligt zu sehen, und noch zehn Tagespäter glaubte er seiner Sache ganz sicher zu sein 29 . Er schriebdem Mohren, der Frate habe auf der Kanzel öffentlich erklärt,man sei dem Papste keinen Gehorsam schuldig, und selbst wenndieser das Interdikt über die Stadt verhängen würde, so brauchteman sich daran doch nicht zu kehren, da er nicht wahrer Papstsei 30 . Berichte der Art waren natürlich darauf berechnet, auf demUmwege über Mailand durch den Kardinal Askanio nach Romzu Ohren des Papstes gebracht zu werden, auf den sie wie Dolch-stiche wirken mußten. Die Arrabbiaten zogen mit Somenzi unddem Mohren am selben Strange. Sie hielten den Heiligen Stuhlnicht nur brieflich über die Predigten des Frate beständig auf demlaufenden, sondern setzten ihn auch durch eigene Boten vonbesonders auffälligen oder anstößigen Äußerungen in Kenntnis 31 .Die vereinten Anstrengungen der Ligisten und Arrabiaten schienendenn auch schließlich zum gewünschten Ziele zu führen. Eswurde ein berittener Bote nach Florenz abgesandt, der dem Frateein neues Predigtverbot, des Papstes überbringen sollte; dochwurde er hier nicht eingelassen, sondern über die Stadtgrenzegeleitet 32 . Allgemein hieß es, der Frate sei vom Papste mit derExkommunikation belegt worden, ja die Ordensleute und Beicht-väter gingen so weit, auch die Hörer des Frate für exkommuni-ziert zu erklären und ihnen bei der Beicht die Lossprechung zuverweigern 33 . Somenzi zweifelte nicht, daß die Abweisung despäpstlichen Boten erst recht die Verhängung des Interdiktes überdie ganze Stadt nach sich ziehen werde, was eine sofortige Um-wälzung zugunsten des Mohren und seiner Freunde nach sichziehen müßte 34 . Das Interdikt kam nun zwar nicht, wohl aberwurde in Rom selbst ein hochnotpeinliches Verfahren unter denAugen des Papstes und auf seinen Befehl gegen den Frate zumBehufe eingeleitet, ihn als einen ketzerischen, schismatischen,ungehorsamen und abergläubischen Menschen zu überführen undsamt seinen Anhängern der verdienten Strafe zu überantworten 35 .