WAR DIE PREDIGT GENEHMIGT? 326
allen Grund zur Annahme hatte, im wohlverstandenen Sinne desPapstes selbst vorzugehen; besaß er doch eine briefliche Ermäch-tigung des Kardinalprotektors Caraffa sowie des Gesandten Becchi,die im stillen Einvernehmen mit dem Papste selbst ausgestelltwar 13 . Die ligistischen Gegner widersprachen allerdings der inder Stadt verbreiteten Nachricht von einer Zurücknahme des Pre-digtverbotes sofort aufs entschiedenste 14 , womit sie tatsächlichrecht und unrecht zugleich hatten, da das Breve vom 16. Oktober,nicht schriftlich widerrufen und die Predigterlaubnis nicht schritt-ilieh erteilt war. Der Papst konnte sie nach außen hin und amt-lich jederzeit verleugnen oder auch anerkennen, ganz nach Bedarf.Er behielt damit die Stadt und den Frate in seiner Gewalt und warentschlossen, ihnen nur in dem Falle und nur insoweit entgegenzu-kommen, als er seine eigenen Wünsche bezüglich des Beitritts zurLiga befriedigt sah. Man wußte es in Florenz sehr wohl, daßAlexander VI. der Stadt nicht gutgesinnt sei und nur ihr Verderbenim Sinne habe 15 . Aber man war entschlossen, sich mit ihm füralle Fälle gut zu stellen und es auf einen offenen Bruch nicht an-kommen zu lassen, in der Erkenntnis, daß man sich sonst aufkirchliche Zensuren gefaßt machen müßte, die der Stadt und ihremHandel noch immer Schaden zugefügt hätten 18 . So fuhr die Signorienach wie vor fort, den Heiligen Stuhl um offene Genehmigung derPredigt zu bestürmen 17 ; aber sie fand taube Ohren. Der Papstmachte kein Hehl daraus, daß es politische Rücksichten waren, die,wie schon für die Aufstellung, so nun auch für die Aufrechterhal-tung des Predigtverbotes den Ausschlag gaben. Die Liga, erklärteer dem florentinischen Gesandten Becchi 18 , lasse nicht zu, daß mandem Frate die Predigt erlaube noch der Stadt irgendeine Gnadebewillige. Die ligistischen Kardinäle Johann Lopez von Perugiaund Askanio ergingen sich in beweglichen Klagen über die Bürger-schaft, die dem Papste zum Trotze die Predigt gestatte 19 , undauch der Papst selbst, obschon kurze Zeit einigermaßen versöhnt 20 ,beschwerte sich immer wieder über den Frate, der die. Stadt widerihren Willen bei der Anhänglichkeit an Frankreich festhalte undsich mit den römischen Verhältnissen befasse, obschon doch derKardinal von Neapel und viele andere die ausdrückliche Ver-sicherung gegeben hätten, daß er dies nicht tun werde noch dürfe 21 .In der Tat führte der Frate zu Beginn seiner Fastenpredigtendie schärfste Sprache über das Verderben der höheren und nie-