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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
323
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RÜCKKEHR AUF DIE KANZEL 323

Des vergeblichen Harrens müde, faßte die Signorie am 11. Fe-bruar den einstimmigen Beschluß 7 , den Oberen von S. Marco unterAndrohung ihres Unwillens für den Fall seiner Weigerung zu be-auftragen, während der nächstens beginnenden Fastenzeit die Pre-digten im Dome zu halten.

Eine leidenschaftliche Spannung hatte gegen Ende der Fa- fschingszeit alle Gemüter erfaßt. Wird der Frate predigen? Wird?!er nicht predigen? Diese Frage lag auf allen Lippen und hielt alle'Herzen im Banne, von den einen in zuversichtlicher Hoffnungmit freudigem Ja, von den anderen in offensichtlicher Unruhe mitnicht weniger entschiedenem Nein beantwortet. Am Aschermitt- [.';woch, 17. Februar, war die Straße, die von S. Marco zum Domeführte, von einer dichten Menschenmenge belagert. In fieberhafterUngeduld richteten sich alle Blicke nach der Klosterpforte vonS. Marco. Endlich tat sie sich auf.Er kommt, er kommt", ginges von Mund zu Mund. Und da schritt er auch schon einher, daskleine, schmächtige Männchen in rauhem Ordensgewande, in sichgekehrt, den scharf geschnittenen Kopf in die Kapuze gehüllt,durch eine Schar Bewaffneter gegen meuchlerische Angriffe ge-schützt, von einem langen Zuge gefolgt, der sich aus den Brüdernvon S. Marco und den Getreue~sten seiner Verehrer zusammen-setzte, während die Frauen, um ihn besser sehen zu können, dieMauern längs des Weges besetzt hielten und in scheuer Ehrfurchtauf ihn blickten, als hätten sie einen leibhaftigen Heiligen vor sich,in dem die Rettung des ganzen Volkes beruhe 8 . Und schon stander nach langer Pause wieder auf seiner Lieblingsstätte, der Kanzeldes Domes, in dem sich Kopf an Kopf drängte, und begann mitseinenPredigten über den Propheten Arno s" 9 , diezu den feurigsten und schönsten gerechnet werden, wie sie seinemHerzen jemals entströmten 10 .Frate," so ließ er sich von seinenHörern anreden 11 ,sage uns doch: warum säumtest du über Ge-bühr, deine Streiterschar heimzusuchen? Du hattest wohl Angst,ermordet zu werden?"Gewiß nicht, meine Söhne," entgegneteer,sonst wäre ich ja auch jetzt nicht erschienen, denn ich laufeeben jetzt größere Gefahr als je zuvor."So hattest du wohl Ge-wissensbedenken, zu predigen? Verlautet ja doch, es sei eine Ex-kommunikation und das Verbot an dich ergangen, nicht mehr zupredigen."Hast du sie denn gelesen, diese Exkommunikation?Doch antworte mir! Wenn du ein Bankgeschäft zu Brügge hät-21+