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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
317
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DER FR ATE UND DER HERZOG VON FERRARA 317

Herzog Herkules blickte voll aufrichtiger Verehrung zu demPropheten empor und ging ihn nicht nur in religiösen Dingen umseine Meinung und seinen Rat an. Schon im Mai hatte er ihneindringlich um näheren Aufschluß über die schwierige politischeLage und über die Stellung, die Ferrara in ihr einnehmen solle,gebeten und aufs herzlichste für die Winke und Ratschlägegedankt, die ihm dieser in mehreren Unterredungen mit Man-fredi wie in einem besonderen Schreiben hatte zukommen lassen 65 .Wie Florenz und der Frate, so trat Herkules der Liga nicht bei,so sehr er von seinem Schwiegersohne, dem Mohren, darumgebeten wurde 66 , obschon er in dem Bestreben, zwei Eisen imFeuer zu halten, seinen Sohn Alfons mit 500 Lanzen unter demMohren dienen ließ 67 . Auf die Kunde, der Papst habe dem Fratedie Predigt verboten, und dieser schwebe in einiger Gefahr, for-derte er Manfredi sofort zu näherer Mitteilung auf 68 , der ihmauf Grund einer Unterredung mit dem Propheten schrieb 60 , dieserselbst wisse hiervon .noch nichts, erwarte vielmehr jeden Tag einpäpstliches Breve mit der Aufhebung der wider ihn getroffenenMaßregeln. Sollte er sich in dieser Annahme täuschen, so sei er /entschlossen, sich an den Herzog um Schutz und Beistand zu ^ -

wenden, überzeugt, in ehrbaren Dingen an ihm, dem Herrscher^L-Zpseiner Vaterstadt, einen Rückhalt zu finden. Auf daß sich Herku-les von der Gerechtigkeit seiner Sache überzeugen könne, lasseihm der Frate einen Brief sowie eine Abschrift seines Rechtferti-gungsschreibens an den Papst übersenden. Die üble Nachrichtvom Predigtverbote sei dem Herzoge wohl von den Brüdern desferraresischen Engelklosters zugegangen, die dem Vernehmen nachauch das Gerücht verbreiteten, er sei mit dem Kirchenbanne be-legt worden 70 . Kaum war nun die lateinische Ausgabe seines Ab-risses der Offenbarungen fertiggestellt, als der Frate dem Herzogeauch sie übersandte, damit er das Werk in beiden Sprachenbesitze; sie wichen zwar dem Sinne nach nur wenig voneinan-der ab, immerhin könne aber die eine als Erläuterung der anderendienen 71 . Dem Herzoge widmete der Frate auch den ersten Ent-wurf seines BuchesÜber die Einfalt des christ-lichen Leben s", mit dessen Abfassung er sich in der ihmaufgedrungenen Muße beschäftigte. Doch beschwor er den Her-zog, die Schrift sonst niemand zum Lesen zu geben und ihmetwaige Einwände durch Meister Ludwig von Carri mitteilen zu