3 16 VORLADUNG NACH ROM
zügen zustellen lassen, den einen in besserem Papier und beson-derer Ausstattung für den Herzog, den anderen in gewöhnlichemPapier und Einband für Ludwig von Carri, den herzoglichen Leib-arzt 50 . Nach drei Tagen schrieb Herkules an Manfredi wie anSavonarola selbst, er habe die ihm überreichte Schrift mit höch-ster Genugtuung gelesen, sie gereiche dem Verfasser wie seinerVaterstadt nur zur Ehre 60 .
Manfredi hatte dem Frate im Auftrage des Herzogs eine Ent-schädigung für die Unkosten angeboten, die ihm durch die beson-dere Ausstattung der für den Herrscher bestimmten Schrifterwachsen waren 01 . Der Frate nahm sie nicht an. Stets vermied
I er alles aufs peinlichste, was ihm auch nur den Schein persön-lichen Eigennutzes hätte zuziehen können, obschon er einige
! Geldmittel zur Unterstützung seiner armen Verwandten eben jetztsehr nötig gehabt hätte. Zu seinem Schmerze erfuhr er, daß seinBruder Ognibene mit seiner Familie in größtem Elende schmachte.Er wußte kein anderes Mittel, ihm zu helfen, als ein Schreiben 62an seinen Bruder Albert mit der Bitte, dem Bedrängten mit Geldoder Getreide beizuspringen, da er hierzu am ehesten in der Lagesei. Auf ihn, Hieronymus, dürften sich die Geschwister in ihrenzeitlichen Nöten nicht verlassen, denn er sei der Welt abgestorbenund nicht imstande, ihnen zu helfen. In nicht viel besseren Ver-hältnissen als Ognibene lebte die greise Mutter mit ihren Töch-tern Beatrix und Clara. Als sich der Florentiner BartholomäusLapi 1497 in Ferrara aufhielt, traf er sie in bitterster Armut an.Er kam ihnen mit Getreide zu Hilfe und empfahl sie, nachFlorenz zurückgekehrt, der Fürsorge des Propheten, dem er vor-warf, es sei eine zu große Hartherzigkeit, sie nicht zu unter-stützen, denn sie seien sehr arm 63 . Aber mehr als Gebete undBriefe hatte dieser für die Seinigen auch jetzt nicht. So übersandteer seiner Schwester Beatrix eine von ihm verfaßte Andacht zuEhren der heiligen Maria Magdalena, mit dem Beifügen 64 , es seibesser für sie, ledig geblieben zu sein, da sie so ihr Heil vielsicherer wirken könne.
So bestand ein lebhafter Verkehr zwischen S. Marco und Fer-rara. Ohne Zweifel wurden die Angehörigen des Frate über dieGeschicke ihres gefeierten Sohnes und Bruders auch durch Ver-mittlung des Hofes auf dem laufenden erhalten, der ja durch denBotschafter Manfredi in ununterbrochener Fühlung mit ihm stand.