Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
309
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SCHREIBEN AN DEN PAPST

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Schrift: ,Wenn es keine Prophetie mehr gibt, so geht das Volkzugrunde' (Sprüchw. 29, 18), das größte Unglück der Christen-heit wäre. Man darf auch nicht etwa aus Deut. 18, 20 ff. denSchluß ziehen, als sei ein Prophet auch dann schon dem Todeverfallen, wenn sich seine Prophetie nicht augenblicklich erfülle,denn sonst hätten nicht bloß Isaias und Jeremias, sondern auchJesus selbst den Tod verdient, deren Prophetien sich zum Teilerst lange nach ihrem Tode verwirklichten. Meine Prophetiensind aber zum Teil bereits eingetreten, zum Teil wird dies künftiggeschehen; solange muß man sich daher auch mit dem Urteil übersie noch gedulden. Hätte man meinen Warnungen Gehör ge-schenkt, so wäre Italien von so schweren Heimsuchungen ver-schont geblieben. Auf keinen Fall hätte es schaden können, dennich hielt ja die Gläubigen doch nur zur Buße und Besserung be-hufs Abwendung der bevorstehenden Trübsale an, und was kann;es schaden, Buße zu tun? Wenn im Breve davon die Rede ist,unsere Abtrennung von den Lombarden sei von einigen Brüdernarglistig erschlichen worden, so ist dies vollständig unrichtig, dasie nicht bloß von einigen, sondern von allen Brüdern einhellig er-beten und überdies, wie der Kardinalprotektor bezeugen kann, dasWerk eingehender Beratungen und Untersuchungen war, auchnicht auf leichtfertige Vorwände hin, sondern lediglich zum Zweckstrengerer Lebensführung gewährt wurde. Eben deshalb ist dennauch eine Wiedervereinigung S. Marcos mit der Lombardei ganzunzulässig. Denn das göttliche ebenso wie das kirchliche Rechtund alle Lehrer sprechen sich einmütig dahin aus, daß ein Or-densmann zwar stets von einem leichteren Orden in einen stren-geren, nicht aber umgekehrt von einem strengeren in einen leich-teren übertreten darf, es sei denn im Falle der Krankheit. Da nunder Papst sicher will, daß die Ordensleute nach Vollkommenheitstreben, so würde er, wenn er wüßte, daß wir in S. Marco tat-sächlich viel strenger als die Lombarden leben, die von ihm ge-troffene Anordnung unserer Rückkehr zu den Lombarden gewißnicht aufrechterhalten. Das Gericht des lombardischen General-vikars Maggi muß ich ablehnen, da er eben um unserer Trennungwillen befangen ist. Endlich muß ich mich auch wider den Vor-wurf verwahren, als hätte ich der Vorladung nach Rom den Ge-horsam verweigert, da ich, wie ich in meinem Entschuldigungs-schreiben darlegte, wegen Krankheit nicht kommen konnte und