Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
305
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WEIGERUNG DES FRATE 3 o5

vorerst nicht komme; doch werde er sich sobald als möglich vorseinem Angesichte einfinden. Wolle er sich inzwischen über seineReformpredigt näher unterrichten, so möge er von der SchriftEinsicht nehmen, die eben im Drucke begriffen sei und ihm nachihrer Fertigstellung sofort zugehen werde 10 .

Man sah in Rom ein, die Schlinge, mit der man den Frate hattefangen wollen, war zu plump gelegt; man mußte es behutsamerangehen, wenn man ihn fortbringen wollte. Am einfachsten wärees gewesen, ihn in ein anderes Kloster zu stecken. Nun war eraber soeben erst vom Ordensmeister zum Generalvikar vonS. Marco auf zwei Jahre bestätigt worden 11 (28. Mai 1495) undhatte als solcher das Recht und die Pflicht, innerhalb seines Amts-bereiches zu wohnen, dem er nicht so ohne weiteres entrücktwerden konnte. Zu spät erkannte der Heilige Stuhl, welchenFehler er mit der Abtrennung S. Marcos von der Lombardei be-gangen hatte, und so beschloß er, sie rückgängig zu machen undden früheren Zustand wieder herzustellen. Eine solche Verfügungentsprach den heißesten Wünschen nicht nur der Lombarden,die über den Verlust ihrer Klöster noch immer untröstlich waren 12 ,sondern auch dem sehnlichsten Verlangen der mit der Liga, beson-ders mit dem Mohren, aber auch mit Venedig liebäugelnden Arrab-biaten, die den Augenblick gar nicht erwarten konnten, da sie mitdem Falle des Frate die ihnen aus tiefstem Herzensgrunde ver-haßte Volksherrschaft stürzen konnten, und wie die Lombardenschon bei der römischen Vorladung ihre Hand im Spiele gehabthatten 13 . Die Arrabiaten und Ligisten waren auf die Beseitigungdes Frate um so versessener, je wütender sie über den Vertragvon Turin waren, den die Florentiner soeben mit Karl VIII.geschlossen hatten.Dieser verfluchte Mönch", schrieb dermailändische Gesandte an seinen Herrn, ist an jenem Vertrage 14mit schuld, denn er hat die Stadt ganz in seiner Gewalt. DerPapst hätte sehr gut daran getan, wenn er ihn von hier fort undnach Rom genommen hätte, zumal da er von ihm" als der größteSchurke der Welt hingestellt 15 und mit der Erneuerung der Kirchedurch das Schwert bedroht wird. Er ist zwar von allem wohlunterrichtet, scheint aber nicht so viel Kraft aufzubringen, einenMönch wider dessen Willen nach Rom zu schaffen. Zwar ließ erihm jüngst ein Breve zustellen, doch war es sehr gnädig 16 ; seitdemist nichts mehr geschehen".

20 Schnitzer, Savonarola