Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
299
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DER FRATE TRÖSTET 29g

Gott erkoren, mit seinen Dienern erfüllt und zu hohen Dingenausersehen hat; ,wer sie antastet, der tastet seinen Augapfel an'(Zach. 2, 8). Handelt Ihr dem göttlichen Willen und meiner Mah-nung zuwider, dann wehe Euch! Erweist Ihr aber den Florenti-nern und den anderen Völkern Barmherzigkeit, so kann ich Euchim Namen Gottes verkünden, daß Euch die ganze Welt nichtsanzuhaben vermag. Glück und Unglück liegt in Eurer Hand.Bei der großen Zuneigung und Liebe, die ich zu Euch hege, be-schwöre ich Euch, keinen anderen Ratschlägen Euer Ohr zu lei-hen, denn was ich Euch schreibe, ist wahr wie das Evangelium."So atmete der ganze Brief des Frate zärtlichste Liebe und Fürsorgefür die Florentiner. Das hinderte nicht, daß dieses Schreiben vonseinen Gegnern, mit vielen Fehlern und Fälschungen durch denDruck veröffentlicht, gegen ihn ausgeschlachtet wurde, worüberer sich in einer Predigt bitter beschwerte 77 .

Angesichts der fast verzweifelten Stimmung, der das Volk aufdie Kunde von der Liga sowie vom Anmärsche des Königs undPeters verfallen war, unterließ der Prophet nichts, was ihm ge-eignet erschien, den gesunkenen Mut zu heben und zu beleben.Je mehr die Nachbarstaaten, Siena, Lucca, Pisa u. a., über dieLage jubelten, die den Ruin der Franzosen und Florentiner nachsich ziehen müsse, je mehr also seine Glücksverheißungen zu-schanden zu werden schienen, desto entschiedener beharrte er aufihnen. Immer wieder beteuerte er seinen Hörern, selbst wenn sievon ihren Gegnern bis aufs Hemd ausgeplündert würden, so wür-den sie schließlich doch ihren vollen Besitz mit Zinsen und Zinses-zinsen zurückerhalten 78 . Den Gemeinden aber, die, wie Pisa undbald darauf Montepulciano sowie Librafatta, abgefallen waren 79 ,verkündete er Wehe und Unheil; ahnten sie das Los, das ihnenbevorstehe, so würden sie bittere Tränen weinen. Pisa aber werdejedenfalls unter florentinische Herrschaft zurückkehren, und nurder Wankelmut und die Undankbarkeit vieler Bürger sei schulddaran, daß dies nicht schon geschehen sei 80 . Als die besten Trost-und Heilmittel in der gegenwärtigen Bedrängnis empfahl er uner-schütterliches Gottvertrauen, inbrünstiges Gebet, andächtigen Sa-kramentsempfang, Fasten, Almosen und Abkehr von allem sünd-haften Lebenswandel 81 . Er setzte es sogar, wenn auch mit harterMühe, durch, daß das althergebrachte, beim Volke so beliebteWettrennen am Feste des Stadtpatrones Johannes des Täufers 82