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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
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2 g6 DAS BÜNDNIS GEGEN KARL VIII.

sei ein wahres Geheimnis Gottes gewesen." Gommynes nahm vonseiner Unterredung mit dem Frate einen unauslöschlichen Ein-druck mit sich. Immer wieder dachte er an seine Worte 61 , unver-geßlich haftete sein Bild in seiner Seele.

Am 20. Mai 1495 zog Karl VIII., nachdem er die Hälfte seinesHeeres zur Sicherung des neugewonnenen Reiches zurückgelassenhatte, aus Neapel ab. Am 1. Juni rückte er in der ewigen Stadtein, aber der Papst hatte diesmal seine Ankunft nicht abgewartet,sondern in Begleitung zahlreicher Kardinäle die Flucht nach Or-vieto ergriffen. Schon nach wenigen Tagen setzte der König seinenMarsch nach dem Norden fort. Je näher er der Arnostadt kam.desto mehr wuchsen hier Angst und Bangen. Man wußte, er führteden vertriebenen Peter Medici mit sich; mit Grauen malte man sichdas furchtbare Unheil aus, das entstehen mußte, wenn er denracheschnaubenden Mann wiederherstellte. Schon die Kunde, derKönig wolle Petern von seinen Mitbürgern die Erlaubnis erwirken,als einfacher Bürger in Florenz zu leben, hatte größte Bestürzungerregt; allgemein war man in dem unbeugsamen Entschlüsse einig,lieber Gut und Blut in die Schanzen zu schlagen, als in seine Rück-kehr zu wüligen 63 . In der Tat war der Schrecken vor Peter nurzu sehr begründet. Es war bekannt, daß Julius und Bernhardvon Bibiena zu Bologna mit Hochdruck an der Wiedereinsetzungder Medici arbeiteten 83 . Kardinal Askanio setzte seinen Bruder,den Mohren, von dem Anschlage in Kenntnis, den Peter auf Flo-renz beabsichtige 64 , und dieser selbst kündete in einem Briefe anPeter Corsini seine baldige Rückkunft mit Hilfe des Königs an 65 .In dieser schwersten Not war es wiederum Savonarola, der dasVolk mit Zuversicht und Vertrauen erfüllte und sich namentlichdem Gedanken einer Wiederaufrichtung der medizeischen Herr-schaft aufs entschiedenste widersetzte 66 . Ihm gelang es dennauch, das maßlos aufgeregte Volk wenigstens einigermaßenzu beruhigen, dessen Abgott er war. Als wäre Jeremiasvon den Toten erstanden, so verehrte es ihn; es beugtesich seinem Worte als dem eines Heiligen und erkanntewillig an, daß es ohne seine segensvolle Wirksamkeit schlechtum die Stadt stünde 67 . Gleichwohl hatten selbst seine An-hänger das Bündnis wider den König als eine Schlappe für diesenselbst wie für den Frate empfunden 68 . Man glaubte, der Königwerde der vereinten Macht der Verbündeten nicht widerstehen