PAPST UND SULTAN 2 g5
fvom Sultan dreihunderttausend Dukaten und den heiligen Rock ,
Christi erhielt. Wohl blieb diese Nachricht nicht unbestritten 56 ;sie behauptete sich jedoch desto hartnäckiger, je augenfälliger derVorteil des Sultans aus dem Tode seines Bruders zutage trat, undje mehr von dem Briefwechsel durchsickerte, worin Bajazet denPapst anstiftete, Dschem in ein besseres Jenseits zu befördern.Schon der Umstand, daß sie überhaupt auftauchte und in wei-testen Kreisen Glauben fand, war der deutlichste Beweis dafür,daß man den Papst jeglicher Schandtat für fähig hielt 57 . Voll Un-ruhe über das ihm und seinem Heere bevorstehende Schicksalließ Karl VIII. beim Frate anfragen, ob sein Rückmarsch gefährdet '£„ » ^J* ?sei. Dieser gab zur Antwort, der König habe sich zwar viele Sün-den zuschulden kommen lassen, werde aber gleichwohl glücklichnach Frankreich zurückkehren 58 . Einen ähnlichen Bescheid er-teilte er um dieselbe Zeit dem französischen Staatsmanne Philippvon Commynes, der, bisher Gesandter in Venedig, diese Stadt nachAbschluß der Liga verlassen hatte, um nach Florenz zu eilen undwenigstens hier noch zu retten, was zu retten war. Natürlichmußte ein Mann wie der Frate seine lebhafteste Aufmerksamkeiterwecken, der, wie ihm mitgeteilt wurde, immer schon gepredigthatte, der König werde nach Italien kommen und alle Hindernisseüberwinden; er werde auch in Pisa seinen Einzug halten, amselben Tage, an dem in Florenz eine Staatsumwälzung stattfinde,und viele andere Dinge, wie den Tod Lorenzos de' Medici. Com-mynes suchte nun den Mönch in S. Marco auf und legte ihm dieFrage vor, ob der König angesichts der starken Heeresmacht derVenetianer mit heiler Haut heimkehren werde. „Hierüber", soberichtet Commynes selbst 59 , „zeigte er sich besser unterrichtetals ich, der ich eben von Venedig kam, und er gab mir zur Ant-wort, er werde zwar unterwegs auf Schwierigkeiten stoßen, aberseine Ehre behaupten, selbst wenn er auch nur mehr hundertMann um sich hätte. Da er sich aber der Kirchenreform nicht,wie es seine Pflicht gewesen wäre, angenommen, auch seinenTruppen Raub und Plünderungen nachgesehen habe, so werdeer in Bälde einen Hieb mit der Peitsche erhalten. Der Frate for-derte mich auf, ihm dieselben Vorstellungen zu machen, das glei-che werde er ihm auch selbst sagen. Mir fiel der Tod des Dau-phins ein 60 , denn nichts ging dem Könige so sehr zu Herzen. Ichberichte dies, auf daß man erkenne, dieser ganze italienische Zug