FÜR ODER WIDER DIE LIGA? 29r
fremden König und die natürliche Sympathie für die italienischenLandsleute, sondern lediglich die Rücksicht auf den eigenen poli-tischen Vorteil den Ausschlag geben dürfe. Eben sie aberheischte gebieterisch die Fortsetzung der bisherigen franzosen-freundlichen Politik. Die Stadt war nun einmal durchaus vonFrankreich abhängig. Sie war es in handelspolitischer Hinsicht 30 ,da sie in Frankreich ihr reichstes Absatzgebiet hatte und amRande des wirtschaftlichen Abgrundes schwebte, wenn sie diesesverlor. Sie war den Franzosen aber auch militärisch ausgeliefert,seitdem sie Pisa und Livorno, ihre wichtigsten Plätze, in denHänden des Königs sah und sich sagen mußte, daß sie nicht mitGewalt, sondern nur auf dem Wege gütlicher Verständigungwieder, zu gewinnen seien, zu der sich der König im Falle ihresAnschlusses an seine Feinde niemals herbeilassen würde. DerMohr verhieß ja nun freilich, ihr mit Hilfe der übrigen Verbün-deten Pisa wieder zu verschaffen 37 . Allein die Heuchelei solcherAngebote lag klar auf der Hand, denn es war ein offenes Geheim-nis, daß die Venetianer, die alten Widersacher der Arnostadt,ihre begehrlichen Augen längst selbst auf Pisa und Livorno gewor-fen hatten und diese Orte in ihrem Widerstände gegen ihrefrüheren Herren mit Geld und Truppen kräftig unterstützten 38 .Ebensowenig war auf die militärische Hilfe der Verbündeten, dieder Mohr in Aussicht stellte, ein rechter Verlaß. Denn das warja eben die Frage, ob die Verbündeten dem siegreichen Erobererkünftig einen Widerstand zu leisten vermöchten, zu dem sie sichin der Vergangenheit als gänzlich unfähig erwiesen hatten 39 . DieWelt stand nun einmal unter dem überwältigenden Eindrucke desfranzösischen Waffenglücks, in dem sie das wunderbare Waltender Hand Gottes erkannte. War Karl wirklich der, für den manihn allen Enttäuschungen zum Trotze immer noch hielt, GottesWerkzeug zur Züchtigung der verkommenen Kirche, war es dannnicht Wahnwitz, mit ihm zu brechen?
Das war nun auch die Überzeugung des Mannes, zu demFlorenz in allen Nöten wie zu einem von Gott erleuchtetenPropheten und mächtigen Anwalte emporsah. Von einem Bünd-nisse mit der Liga, und das hieß unter den gegebenen Verhältnissenmit Alexander VI., konnte für ihn selbstverständlich gar kejne Redesein. Aus dem Munde des Kardinals S. Malo, von dem er beiseinem florentinischen Aufenthalte im Februar 1495 mit einem19*