Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
290
Einzelbild herunterladen
 

2go

DAS BÜNDNIS GEGEN KARL VIII.

Dorn in ihrem Fleische und für die Franzosen einen starken Stütz-punkt und beständigen Anreiz zu neuen Angriffen. Sofort tratensie denn auch an die Arnostadt mit der eindringlichsten Auf-forderung zum Beitritte heran; der Monat April ward ihr zudiesem Behufe freigelassen 30 . Damit sahen sich die Bürger vordie große Frage gestellt: Für oder wider Karl VIII? Die Ent-scheidung ward ihnen durch niemand so schwer gemacht wiegerade durch ihn selbst. Er hatte sich zu Florenz im Vertragevom 25. November feierlich verpflichtet, der Stadt die ihm vonPeter Medici übergebenen Plätze nach der Eroberung Neapelsabzutreten. Im Februar war dann der neue Kardinal S. Malonach Florenz gekommen, um in Sachen Pisas zu verhandeln.Seine Bemühungen scheiterten aber an dem hartnäckigen Trotzeder Pisaner, die von einer Rückkehr unter das verhaßte floren-tinische Joch nun einmal nichts wissen wollten und in ihrerWidersätzlichkeit nicht bloß von Siena, Lucca und Genua, son-dern auch von französischen Baronen bestärkt wurden 31 . Gleich-wohl verließ Brissonet Florenz nicht ganz unverrichteter Dinge.Hatte er der Stadt die gehoffte Bescherung auch nicht gebracht,so nahm er doch die hübsche Summe von 40 000 Dukaten mitauf den Weg, die eigentlich erst nach Rückgabe Pisas fälliggewesen wären 32 . Dennoch erlangten die Florentiner auchdurch eine neue Gesandtschaft an den König keinen günstigerenBescheid 33 . Ja sie mußten sich von ihm geradezu verhöhnen undauf ihre bewegliche Klage, daß nun auch Montepulciano abgefal-len sei 34 , die spöttische Antwort gefallen lassen:Kann denn ichdafür, daß sich eure Untertanen, weil sie von euch schlechtbehandelt werden, empören 35 ?" In ihrer namenlosen Ent-täuschung und Erbitterung über die Unzuverlässigkeit des Königswaren die Florentiner durchaus in der Gemütsverfassung, denLockungen der verbündeten Mächte Gehör zu schenken; gab sichdoch besonders der Mohr im Namen aller die größte Mühe, siezu gewinnen, indem er ihnen nicht bloß kräftigen militärischenBeistand, sondern auch nachdrückliche Unterstützung zur Wieder-erlangung Pisas und Livornos in Aussicht stellte. Wenn nun dieleitenden Männer der Stadt den verführerischen Anerbietungenund Einladungen des Mohren gleichwohl nicht nachgaben, sogeschah es in der nüchternen Erwägung, daß in einer so wichtigenAngelegenheit nicht der Unwille gegen einen wortbrüchigen.