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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
289
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BESTÜRZUNG DER MÄCHTE 28g

Die Türken waren voll Angst 23 , und auch die italienischen Mächtezitterten bei den Fortschritten der Franzosen. Ludwig der Mohrschwebte in größter Angst, weil sich Ludwig, Herzog von Orleans,der als Sproß einer Tochter aus dem Hause Visconti Ansprücheauf Mailand erhob, bereits in Asti festgesetzt hatte; er hatte allenGrund zur Befürchtung, daß sich das Geschick der Aragonesennun auch an ihm erfüllen werde, zumal da er sich mit Karl VIII.auch um sonstiger Dinge willen längst überworfen hatte 24 . Mitscheelen Augen verfolgten auch die Venetianer den Triumphzugdes fremden Eroberers. Sie hatten auf die Nachricht von seinemEinmärsche in Florenz Geld gesammelt und auf die Kunde vonseiner Ankunft in Rom einige tausend Albanesen geworben; nunaber, da er auch über Neapel gebot, waren sie von äußerster Be-sorgnis erfüllt 25 . Am meisten fühlte sich Alexander VI. bedroht.Er traute dem Frieden, den er mit Karl VIII. geschlossen hatte,um so weniger, als Cesare aus dem französischen Lager die Fluchtergriffen und den König hierdurch heftigst erzürnt hatte.Wassind doch", rief dieser aus,die Lombarden (= Italiener) fürSchurken, und der Papst allen voran!" 26 Mit knapper Not warder Borja dem Konzile entgangen, als das neapolitanische Unter-nehmen erst im Gange war, wie sollte er ihm nunmehr ent-rinnen, nachdem der Franzose den vollen Sieg davongetragen undihm neuerdings Rache geschworen hatte! Aber auch der deutscheKönig Maximilian war beunruhigt; sah es doch ganz danachaus, als gedenke Karl die Rolle des römischen Kaisers zu spielen,zumal es hieß, er habe sich den Titel:Karl VIIL, der ZweiteGroße", beigelegt 27 . Ebensowenig konnten die spanischen Maje-stäten Ferdinand und Isabella dem Triumphe der Franzosen inUnteritalien ruhig zusehen, da sie ja auch selbst Ansprüche aufSizilien erhoben 28 . So schlössen denn der Mohr, die Venetia-ner, der Papst, Maximilian, Ferdinand und Isabella am 31. März1495 ein Bündnis, das sich angeblich wider die Türken, in Wirk-lichkeit aber wider die Franzosen richtete und den Verbündetenden Besitz ihrer Länder gegen die Angriffe fremder Herrscherverbürgte 29 . Sie konnten nun aber ihr Hauptziel, die Verdrängungder Franzosen aus Italien, nur unter der Voraussetzung erreichen,daß sich alle größeren italienischen Staaten, besonders ein sobedeutendes Gemeinwesen wie Florenz, ihnen anschlössen; hielisich dieses von ihnen ferne, so bildete es einen schmerzlichen19 Schnitzer, Savonarola