2 8o SAVONAROLA UND DIE KINDER
Seiten der Widerspenstigen ernten würden, aus Liebe zu Christusgeduldig auf sich zu nehmen, den Willfährigen aber GottesSegen zu verheißen 47 . Zur Überwachung und Durchführung die-ser Bestimmungen wurde aus dem Schöße der jungen Genossenin jedem Stadtviertel ein Oberhaupt (capo) oder Aufseher(custode) bestellt, dem vier Berater (cosiglieri) zur Seite stan-den; ohne ihre Zustimmung durfte nichts geschehen. Ihnenwaren wieder andere Ämter untergeordnet, wie die Friedens-stifter (pacieri) zur Aufrechterhaltung der Eintracht; die Ordner(ordinatori), die bei Prozessionen jedem seinen Platz anwiesen;die Mahner (correttori), die den Fehlenden die brüderliche Zu-rechtweisung erteilten; die Almosensammler (limosinieri), die beiProzessionen, an den Hauptfesten und am Fastnachtstag dieAlmosenbüchsen trugen und aufstellten. Zu den wichtigstenÄmtern zählten aber die Untersucher (inquisitori), die an denFesttagen nach dem Mittagessen und der Vesper die ganze Stadtinnen wie außen durchzogen, die öffentlichen Spieler aus denStraßen vertrieben und ihnen die Karten, Würfel oder sonstigeSpielzeuge und selbst das Geld wegnahmen, das sie den Armenzuwandten; endlich die Säuberer (lustratori), die überall, wo sieKreuze oder Heiligenbilder an unanständigen Orten antrafen, da-für sorgten, daß solche und ähnliche Ungehörigkeiten übertünchtwurden 48 .
Savonarola billigte diese Satzungen und ermahnte seine jugend-lichen Gehilfen, sich ja nicht mehr zum unaussprechlichenLaster verführen, sonder lieber umbringen als zur Sünde ver-leiten zu lassen 49 . Auch die Signorie wurde um Bestätigung an-gegangen. Eine Abordnung der Jünglinge erschien im Palaste,wo ihr Sprecher in Gegenwart der Signoren und höchsten Behör-den eine wohlgesetzte Rede des Inhalts hielt 50 , Christus, der beson-dere König der Stadt, und Maria, seine glorreiche Mutter, hättenFlorenz aus der Knechtschaft befreit und nun ihre Prophetengesandt, die die Herzen mit dem Lichte und Feuer des Geistesentzündeten. So seien sie denn entschlossen, die alten, sündhaftenGewohnheiten und Laster aufzugeben und ein besseres Leben zuführen; sie hätten auch bereits eine Reform entworfen, um derenamtliche Genehmigung sie hiermit bäten, auf daß sie ihrer Auf-gabe zuversichtlicher nachgehen und den ungeheuren Lasternund Sünden auf den Leib rücken könnten, die bisher in der Stadt