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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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KINDERPOLIZEI 281

herrschten. Die Signorie nahm die Bittsteller zwar freundlichauf und hörte ihre Rede mit Tränen in den Augen an, begnügtesich aber mit einem Hofbescheide, ohne sich zu einer förmlichenGenehmigung der ihr schriftlich vorgelegten Reform zu ver-stehen 51 . Selbst Franz Valori vermochte sie an der Spitze einerFrateschen Signorie nur zum Teile durchzusetzen 52 .

Die jungen Leute widmeten sich ihren Obliegenheiten miteinem Eifer, der viel mehr des Zügels als Spornes bedurfte 53 . Ihrbescheidenes und erbauliches Auftreten machte vielfach so tiefenEindruck, daß man sich ihnen zu Liebe selbst der kostbarstenDinge entäußerte. Es kam vor, daß sich harte Männer, Gegnerdes Frate, von ihren rührenden Vorstellungen ergriffen und derTränen kaum mehr mächtig, aus reißenden Wölfen in zarteLämmer verwandelten und in ihrer Begleitung ihr ganzes Hausnach verbotenen Dingen durchstöberten 51 so groß war derLiebreiz, so unwiderstehlich der Zauber, der in ihren verklärtenZügen lag 55 . Es kam ferner auch vor, daß selbst Spieler, sonstwilde, leidenschaftliche Menschen, den Jünglingen, welche ihnenWürfel und Karten abnehmen wollten, keinen Widerstand leiste-ten, sondern wortlos, als wären sie trunken oder außer sich,alles überließen. Wunderbare Erfolge erzielten sie namentlichbei vielen Mädchen und jungen B'rauen aus den besten Häusern,so daß es für jedermann, der auch nur zeitweilig die Brille desSatans ablegte und die Augengläser der christlichen Demut auf-setzte, klar am Tage lag, daß dies das Werk Gottes sei 56 . Trafensie junge Damen an, die sie ob ihrer zu üppigen Kleidung bean-standen zu müssen glaubten, so geschah dies mit den Worten:Im Namen Jesu Christi, des Königs unserer Stadt, und derJungfrau Maria, unserer Königin, fordern wir dich auf, dieseEitelkeiten abzulegen, widrigenfalls die Krankheit (= Pest) überdich kommt" 57 , eine Aufforderung, die sie mit solcher -Sanftmutund Einfalt vorbrachten, daß die Damen häufig in Tränen aus-brachen. Freilich ward den jungen Leuten ihre Aufgabe durchihre Abstammung aus den vo rnehmsten Familien der Stadt, andenen sie einen starken Rückhalt besaßen, nicht wenig erleich-tert 58 . Überdies gehörten sie zum Teile dem geistlichen Standean; verschiedene hatten die niederen, manche sogar die höhereWeihe des Subdiakonates empfangen 59 . Da nun aber der Empfangdes Subdiakonats die Vollendung des 20. Lebensjahres voraus-