KINDERPREDIGTEN
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Kinder in die Predigten mitzubringen, sondern auch häufig 2selbst das Wort an die Kinder richtete und eigene Predigten fürsie lialten ließ 30 . Diese Bemühungen weckten in den empfänglichenHerzen der Jugend eine Begeisterung, die den Eifer der Erwach-senen übertraf und beschämte. Man schätzte die Zahl der Kinder,die den täglichen Predigten des Mdtiches anzuwohnen pflegten,auf mehrere Tausende 31 .> Sie ließen sich morgens nicht mehr in /r>-'^-> j>~ihren Betten halten, sondern eilten schon vor ihren Müttern inden Dom, wo sie stundenlang auf die Predigt harrten, die Zwi-schenzeit teils mit stillem Gebete, teils mit Psalmen- und Lauden-sang verbringend. Wenn dann der Frate endlich die Kanzel be-stieg, so stimmten sie das „Ave Maris Stella" an, wobei auch dasVolk mitsang. Alles ging mit solcher Ordnung und Erbauung vorsich, daß man sich ins Paradies versetzt wähnte und vor Rührungder Tränen nicht zu erwehren vermochte 32 . Man hatte ihnen, damitsie den Prediger besser sehen und hören könnten und die Erwach- .-senen nicht belästigten, eigene, für etwa viertausend Teilnehmer C ' /berechnete Bänke errichtet. Als diese eines Tages unter dem allzugroßen Andränge zusammenbrachen, hielt man es für ein Wunder,daß die Kinder hierbei keinen Schaden nahmen 33 .
Savonarola hätte ein schlechter Kenner des menschlichen Her-zens sein müssen, hätte er nicht eingesehen, daß sich der Tätig-keitstrieb seiner „Kinder", der sich bisher in so lebhafter Weisegeäußert hatte, unmöglich über Nacht unterdrücken und auf ihreAnwesenheit bei Predigt und Gottesdienst einschränken lasse. Sobeschloß er, ihm zwar auch fortan seinen Lauf zu gönnen, ihnaber in bessere Bahnen zu lenken und seinen reformatorischenZwecken nutzbar zu machen; aus der Kinderreform erwuchs ihmdie K inderpo lizei. Es war nichts so ganz Neues und Unerhörtes,daß beliebte Prediger die Kinder in den Dienst ihrer Reform-bestrebungen zogen. So leitete der Karmelit Thomas Covette, der1428 in Flandern und den benachbarten Ländern mit seinen Pre-digten das größte Aufsehen erregte und namentlich aufs rück-sichtsloseste gegen die Hoffart der Frauen einschritt, die Kinderan, hinter den eitlen Weibern herzulaufen und .sie zu verhöhnen 34 .Der Franziskaner Robert Carraccioli von Lecce veranstaltete1448 zu Rom, wo er den Frieden predigte, einen Aufzug vonnackten Knaben, die sich unter dem lauten Rufe „Barmherzig-keit", „Barmherzigkeit" geißelten 35 . Als der Minoritenobservant