276 SAVONAROLA UND DIE KINDER
besser Bescheid wissen 22 . Viel besser wäre es, die Mütter unter-richteten ihre Töchter im Beichten statt im Tanzen; was brauchendenn die Mädchen das Tanzen zu lernen? Das sind heidnischeSitten 23 . Ebensowenig dürfen die Mütter ihren Töchtern oder jun-gen Mägden unanständige Reden oder gefährlichen Verkehr hin-gehen lassen und weder ihren Gatten noch ihren Söhnen allzusehrtrauen 24 . Neben der religiös-sittlichen darf jedoch die Geistesbil-dung der Kinder nicht vernachlässigt werden. Zu Lehrern sollennur rechtschaffene, ehrbare und gläubige Männer gewählt werden,keine Spieler und keine Leute, die mit den Dichtern alles verder-ben. Sie sollen einen guten Gehalt beziehen und ihre Tätigkeit inanständigen Schulräumen, nicht in Löchern und Winkeln ent-falten. Jedenfalls ist es gut, wenn die Kinder etwas Grammatiklernen; aber schlechte Dichter, wie Ovid von der Liebeskunst,Tibull, Catull, Terenz oder die Priapeia sind aus dem Unterrichteauf Grund eines vom Staate zu erlassenden Gesetzes zu verbannen.Doch sind die klassischen Studien keineswegs schlechthin verdam-
| menswert. Homer, Virgil und Cicero dürfen im Unterricht gelesenwerden, aber unter der Bedingung, daß man die Kinder, sobaldman in diesen Schriftstellern auf Jupiter, Pluto und andere Götter
I stößt, sofort belehrt, dies seien nur Fabeln, die Lesung aus denKlassikern stets mit solchen aus der Heiligen Schrift und den
i Vätern, wie Hieronymus und Augustinus, verbindet und auf jedeheidnische Stunde sofort eine christliche folgen läßt 25 . Nicht we-niger nachdrücklich warnte der Frate vor einseitiger Fach- undBerufsbildung; er klagte, daß man die Knaben nur in Wechsel -und Wuchergeschäften unterweise und dadurch ihre Seelen in dieHölle stürze 26 .
Mit den ernstlichsten Mahnungen an die Eltern gab sich derSeeleneifer des Frate jedoch noch nicht zufrieden. Schon derFranziskaner Wilhelm von Tournai hatte um 1270 in seiner Ab-handlung „De modo docendi pueros" der Kinderpredigt eineneigenen Abschnitt gewidmet 27 ; im Jahre 1264 hatte sogar ein Do-minikanerkapitel zu Paris dem Gegenstande seine Aufmerksamkeitzugewandt und den Provinzialen ans Herz gelegt, die Prediger mitAbschriften dieser Abhandlung Wilhelms zu versehen 28 . Savona-rola griff daher auf die besten Überlieferungen seines Ordenszurück, wenn er nicht nur, wie es schon der heilige Bernhardinvon Siena getan hatte, die Eltern aufs flehentlichste ermahnte, ihre