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XIV. Kapitel.
SAVONAROLA UND DIE KINDER.
Es ist eine in der Geschichte Savonarolas wiederholt zu bemer-kende Erscheinung, daß sich spätere ausländische Schriftstellernicht genug über Maßregeln zu entrüsten vermögen, an welchen Pe^i^die Zeitgenossen selbst, die vermeintlich so schwer unter ihnen zuleiden hatten, keinen Anstoß nahmen. Gilt dies .schon bezüglichder von ihm angeblich angeordneten Überwachung der Haus-väter durch ihre Dienstboten, so noch vielmehr hinsichtlichseiner Stellung zu den Kindern und der Rolle, die er ihnen beiseinem großen Reformwerke zugedacht hatte. Sicher ist, daßdiese Stellung eine der bemerkenswertesten Seiten seiner Wirk-samkeit bildete; nichts kennzeichnete aber auch die Tiefe undReinheit seines Gemütes so sehr wie die unwiderstehliche Macht,mit der sich die Jugend zu ihm hingezogen fühlte, wie er sich zuihr. Auf sie setzte er von Anfang an seine Hoffnung; alles hielter für gewonnen, sobald sie gewonnen war 1 . Eben dies erschiennun aber sehr schwer, wenn nicht aussichtslos, denn die männ-liche Jugend von Florenz war ob ihrer Ausgelassenheit verrufen 2 .Von blinden Eltern schon in frühesten Jahren mit dem alten Par-teihasse genährt, nahm sie am wilden Hader des Tages lebhaftenAnteil und bekundete hierbei nicht selten eine Gemütsroheit, dieuns Grauen und Entsetzen einflößt. Als Papst Martin V. 1417nach Florenz kam, zogen ihm die Kinder auf der Straße inScharen nach und verhöhnten ihn mit dem Spottverse: „PapstMartin hochgeehrt ist auch nicht einen Heller wert 3 ." Den Scharf-richter, der einen zum Tode verurteilten Verbrecher auf dem Wegezur Richtstätte nicht oft genug mit der glühenden Zange zwickte,zwangen die Kinder mit Steinwürfen zu größerer Grausamkeit 4 .Einen getauften Juden, der, mehr verrückt als boshaft, Madonnen-bilder verunehrt hatte, warfen sie mit Steinen zu Tode 5 . JakobPazzi, als einer der Hauptteilnehmer an der mediceischen Ver-schwörung des Frühjahres 1478 am 28. April aufgehängt und