DIE COMPAGNACCI ___________________269
zu erwirken und ihn zu Fall zu bringen; zu demselben Zweckeschrieben sie, um Bundesgenossen zu gewinnen, auch nach Vene-dig 207 . Denn, sagten sie sich, entweder leistet er dem päpstlichenRufe Folge — dann haben wir gewonnenes Spiel; oder er weigertsich — desto besser, dann ist er als Empörer gegen den HeiligenStuhl erst recht verloren 208 . Dabei schreckten sie vor Entstellungenund Verdrehungen seiner Predigten nicht im geringsten zurück, in-dem sie z. B. seine Klagen über das Verderben Roms und der Kuriepersönlich zuspitzten, als habe er den Papst und gewisse Prälaten mitNamen genannt, oder bedingte Sätze verallgemeinerten, z. B. seinerErklärung, daß man dem Papste unter gewissen Voraussetzungennicht zum Gehorsam verpflichtet sei, die Wendung gaben, mansei dem Papste überhaupt keine Unterwürfigkeit schuldig. Daherdie wiederholten Mahnungen des Frate: Du, der du nach Romschreibst, schreibe die Wahrheit; daher auch seine häufigenBeteuerungen, er habe die herrschenden Laster nur im allgemeinengegeißelt und keine Namen genannt 209 . Die Gegner verschmähtenjedoch auch gröbere Mittel nicht; man mußte die Pforte vonS. Marco strenge bewachen, um das Eindringen von Mördern zuverhindern, und den Frate auf dem Wege von S. Marco nach demDome mit Bewaffneten umringen 210 . Wie ein Alp lastete das harteJoch des Propheten auf den Compagnacci, einer Gesellschaft vor-nehmer Lebemänner, die sich von Zeit zu Zeit zur Feier festlicherGelage zusammenfanden. Voll schmerzlicher Wehmut gedachtensie der frohen Tage Lorenzos; aber Johann und Lorenz Medici,junge Männer voll Lebenslust und Herrschgier, reich und beimVolke beliebt, verhießen neue mediceische Zeiten. Johann war mitKatharina Sforza vermählt, der Herrin von Forli, einer Schwesterdes Herzogs Ludwig des Mohren von Mailand, der schon ausdiesem Grunde für den Sturz des Frate und der Volksherrschaftwar. Um Johann ans Ruder zu bringen, verschworen sich fünfzehnFreunde, den Frate aus dem Wege zu räumen. Die Verschwörungmißlang, aber ihre Teilnehmer bildeten den Grundstock der Com-pagnacci, die bald einen Bund von etwa hundertfünfzig Genossen,meist jungen Leuten aus den besten Häusern der Stadt, umfaßten 211 .Ihr Führer war Doffo Spini, Johann Medicis vertrautester Freund,ein alter Seefahrer und Genußmensch 212 , doch nicht derschlimmste der ausgelassenen Schar, schon weil er mit seinenfünfzig Jahren des kecken Wesens der verwegenen Jungen erman-