264 RELIGIÖS-SITTLICHE ERNEUERUNG
von S. Miniato war hierin kein Unterschied. Die einen wie die an-deren setzten ihn möglichst herab und rieten den Gläubigen vomBesuche, besonders aber von der Beicht in S. Marco ab, obschones auch nicht an Söhnen des heiligen Franz fehlte, die seine Pre-digten untertags im Strohsacke versteckten, nachts aber hervorzo-gen und heimlich lasen 175 . Als der venetianische Truppenführer Bar-tholomäus von Alviano nach dem Tode des Frate auf den heiligenBerg Vernia kam, traf er im dortigen Franziskanerkloster vieleBrüder mit den Füßen an Blöcke gekettet an, und zwar, wie sieihm auf seine Frage erklärten, aus keinem anderen Grunde, alsweil sie Anhänger des Frate waren 178 . Unter den Franziskanernzeichneten sich im Kampfe gegen den Frate besonders aus Domi-nikus Ponzo, Michael d' Aquis aus der Provinz Genua, der „großeTheologe" Jakob Grumel aus Brixen, „der ihm oft ins Angesichtwiderstand", sowie noch ein anderer Deutscher namens Johann 1 ' 7 .Hinter den Minoriten standen die Augustiner nicht zurück. Unteri den Todfeinden des Frate stand mit in vorderster Beihe der Augu-stiner-Ordensgeneral 178 Marian von Gennazano, der nicht nur inFlorenz, sondern auch in Bonj unablässig gegen ihn schürte 178 ,Sein Schüler Gregor von Perugia, Prediger in Heiliggeist, zog aufsheftigste gegen den Frate los 180 , als dessen erbittertster Widersacherund Bekämpfer noch ein anderer Schüler Marians, nämlich Leon-hard von Serezano, ebenfalls Prediger in Heiliggeist, bekannt war 181 .Selbst die Einsiedeleien von Vallumbrosa und Camaldoli stelltenihre Leute. Neben Angelus dem Sünder und Bossi 182 war es beson-ders Peter Delphin, der Freund Marians, der wie in seinem Ver-kehre mit den Bürgern 183 , so namentlich in seiner Schrift „Zwie-gespräche gegen Hieronymus von Ferrara" das abstoßende Bei-spiel einer aus unverkennbarer Eifersucht entsprungenen Gehässig-keit bot, die der Marians nichts nachgab und einen wahren Hohnauf alle menschliche und christliche, geschweige denn klöster-liche Gesinnung bildete.
Savonarola erkannte die Lage sehr wohl. „Von den Ordens-leuten und Priestern", erklärte er selbst 184 , „ging der größte Wider-stand aus, sie hinderten viele an der Bekehrung, die sich sonsthätten gewinnen lassen." „Wären die schlechten Priester undMönche nicht, so würde Florenz das Leben der ersten Christenführen und wäre wie ein Spiegel der Frömmigkeit für die ganzeWelt 185 ." Er sah darum kein anderes Mittel, ihren verderblichen