DIE LAUEN 265
Einfluß auf die Gläubigen zu brechen, als sie_mit Erlaubnis des 'Papstes aus der Stadt zu jagen und nur die frommen und würdigen ^ ~ „> / A*/.dazubehalten 180 . Als den tiefsten Grund ihrer feindseligen Haltung,erkannte er die wesentliche Verschiedenheit ihrer religiösen Grund-sätze, ihr Bestreben, den Forderungen der Welt überall soweit,wie nur irgendmöglich, entgegenzukommen und dabei doch nochimmer ein religiöses Gesicht zu wahren. Er wandte darum denAusspruch des apokalyptischen Sehers (3, 15 f.) auf sie an: „Weildu lau bist und weder kalt noch warm, so will ich dich ausspeienaus meinem Munde", und bezeichnete sie mit Vorliebe als dieLauen (tepidi 187 ), worunter er zwar auch die ähnlich gesinnten Welt-leute beiderlei Geschlechts 188 , besonders aber die Geistlichen undOrdensleute verstand. Über sie schüttete er die volle Schale seinesZornes aus, ihnen galt ununterbrochen sein heißester Kampf. „Ihrhaut auf mich ein und ich auf euch", sagte er selbst. 189 In seinenAugen hatten sie eine falsche Religion. „Die Lauen", erklärteer 190 , „kennen Gott nicht und spüren ihn nicht in sich. Gott istein verborgenes Wesen, das nur auf dem Wege innerer Gnadener-fahrung zu kosten ist. Der Fromme fühlt Gott in sich, ohne sichhiervon deutliche Rechenschaft geben zu können. Er fühlt GottesGegenwart und eine gewisse Liebe und übernatürliche Erkenntnis,verbunden mit einer ehrfurchtsvollen Scheu vor jeder Beleidigungdes Herrn. Der Herrgott der Lauen dagegen ist der Weltruhmund das Ansehen bei den Menschen. Als die Lauen und die Phari-säer zu Christus kamen und sprachen: ,Warum waschen deineJünger ihre Hände nicht?', da entgegnete der Erlöser: ,Und ihr,warum übertretet ihr die Gebote Gottes?' (Matth. 15, 2 f.) Daswill sagen: Gott verlangt nicht, daß wir die Hände waschen, wohlaber, daß wir seine Gebote halten. Die Lauen schauen nur auf dasÄußere. Gebot Christus etwa, schöne Kapellen zu bauen und aufvergoldete Meßgewänder und sonstige Zeremonien bedacht zu sein?Ich sage nicht, sie seien vom Übel, aber der wahre Gottesdienstbesteht nicht in Zeremonien. Die Hände nicht waschen, ist keineSünde, aber die Gebote Gottes übertreten, das ist Sünde. KeineLiebe haben, das ist Sünde. Die Armen nicht speisen, das istSünde. Die Witwen und Waisen besuchen, das ist die lautere undmakellose Religion (Jak. 1, 27). Darum, ihr Lauen, laßt eureÄußerlichkeiten und befleißigt euch der Liebe! Eure Religion be-steht nicht in Frömmigkeit und Liebe; ihr habt daher die wahre