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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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SAVONAROLA UND CALVIN 261

nehmsten Familien der schmählichsten Auskundschaftung dergeheimsten Familienvorgänge durch mediceische Späher ausge-setzt waren 161 . Von der unerträglichen Strenge der vom Frateempfohlenen Lebensordnung kann man sich einen Begriff ma-chen, wenn man erfährt, daß er die Wirtshäuser um sechs Uhrflorentinischer Zeit, d. h. nach unserer Uhr um Mitternacht,, ge-schlossen wissen wollte, da man in Florenz wie sonst in Italiendie Stundenzählung mit sechs Uhr abends begann, so daß danndie florentinische sechste Stunde unserer Mitternachtsstunde ent-sprach 162 . Niemals schlug der Frate einen staatspolizeilichenZwang zum Besuche des Gottesdienstes oder der Predigt, zumEmpfange der Sakramente, zur Beobachtung der Fasten oder einerbestimmten Tracht vor. Niemals unterdrückte er harmlose Ver-gnügungen. Wie er selbst weder Kopfhänger noch Puritaner war,so war er auch kein Apostel des Puritanismus 163 ; sein Gegner Ma-rian von Gennazano warf ihm sogar vor, er sei ein Trunkenbold,der sich feinen Trebbianerwein schmecken lasse 164 .

So feurig nun auch die Begeisterung war, mit welcher ein großerTeil der florentinischen Bevölkerung den religiösen Idealen desFrate nachstrebte, so gab es doch natürlich viele, die diesenSchwung nicht aufzubringen vermochten, sondern zäh an der her-kömmlichen Übung hingen und den unbequemen Störenfried haß-ten, der sie mit seiner lästigen Predigt von der christlichen Einfaltaus ihrer liebgewonnenen Behaglichkeit aufscheuchte. Schon 1490,als er seine Botschaft mit vollem Nachdrucke zu verkünden be-gann, hörte er sagen:O Bruder, sie wird dir ganz allein bleiben,deine semplicitä" 165 . Er verhehlte sich auch die Größe der zu über-windenden Schwierigkeiten nicht im geringsten.Die Leute zuäußeren Werken veranlassen," sagte er 166 ,ist keine Kunst, schweraber ist es, sie zu innerenWerken zu erziehen, besonders zur Gottes-erkenntnis, in welcher die Vollkommenheit des christlichen Lebenshauptsächlich besteht." Die ärgsten Widersacher der von ihm ge-predigten Lebenserneuerung erwuchsen ihm aus der Mitte jener,die von Rechts wegen ihre wärmsten Anwälte hätten sein sollen, derOrdensleute und Geistlichen. Zwar erkannte er es freudig an, daß esunter ihnen fromme und edle Seelen gab, die seine Bestrebungenverstanden und teilten 167 . Die weitaus überwiegende Mehrheit wolltejedoch nichts davon wissen. Von der in der Christenheit längsteingewurzelten Überzeugung beseelt, daß das Schwergewicht unse-