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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
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2 58 RELIGIÖS-SITTLICHE ERNEUERUNG

wenn jemand von Mohammed anders als vom Riesenhunderedete 153 , sprach Savonarola meist mit Achtung vom Islam undseinen Bekennern. Juden und Türken, erklärte er, halten ihre Re-ligion, die zwar viel Unvernünftiges und Törichtes, aber doch auchmanches Gute enthält, viel besser als die Christen, die sich nament-lich die Ehrfurcht zum Muster nehmen dürften, welche die Türkendem Namen Gottes bezeigen. Wie schon Mohammed selbst ein Ver-ehrer Christi war, so sind es auch die Türken, die nur aus Un-wissenheit sündigen und sich längst bekehrt hätten, wenn sienicht mit Recht an dem schlechten Leben der Christen Anstoß ge-nommen hätten. Jedenfalls sind auch sie durch Christi Blut er-löst - und können das Heil erlangen, wenn sie aufrichtig nachWahrheit streben. Sind sie ja doch jetzt schon besser und ehr-licher als die Christen und leichter zu bekehren als schlechteMönche und Geistliche; sie stehen insofern sogar noch über demPapste, als sie der christlichen Predigt nicht wie dieser Hindernissein den Weg legen. Lieber unter Türken und Mohren leben alsunter ihm 155 . Welches Armutszeugnis stellt man aber dem Chri-stentum aus, wenn man ganz einfache und selbstverständlicheDinge als Gebote einer für gewöhnliche Leute unverbindlichenund unerschwinglichen Frömmigkeit hinstellt 156 !

Bei Beschäftigung mit der vom Frate bewirkten Sittenerneu-erung gedenkt man unwillkürlich des Reformators, der wenigeJahrzehnte später jenseits der Alpen nicht minder tief in dasreligiöse und bürgerliche Leben eines Gemeinwesens eingriff. Sa^vonarola und Calvin, Florenz und Genf, welche Ähnlichkeitund doch welcher Gegensatz! Hier wie dort eine lebensfrohe,heiterem Sinnengenusse ergebene Bevölkerung. Hier wie dort einFremdling, der Buße predigt. Hier wie dort in kurzer Frist einerstaunlicher Umschwung. Hier wie dort ein Gottesvolk undeine Theokratie. Wie für den Frate Christus der Herrscher vonFlorenz, so ist für Calvin Jehova König von Genf. Wie in Florenz,so obliegen in Genf Staat und Kirche der gleichen Aufgabe, derErfüllung des göttlichen Willens, verfolgen das gleiche Ziel aufverschiedenem Wege, sofern die Kirche lehrt und erzieht, wäh-rend der Staat für die äußere Zucht und Ordnung zu sorgen hat.Scharfsinnige Theologen;* 1 gelehrte Bibelausleger und begeistertePrediger, leben Savonarola und Calvin in der Welt des altenBundes, im Geiste des auserwählten Volkes, seiner Propheten und

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