DER UMSCHWUNG a55
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Umgebung, sondern von weit und breit strömten die Leute her-bei, um ihn zu hören. Die Straßen von Bologna her waren wieim Jahre des Jubiläums beständig mit Pilgern gefüllt. Selbst vonden höchsten Bergen stiegen die Bauern hernieder und durch-wanderten die ganze Nacht, um beim Morgengrauen auf das öff-nen der Stadttore zu warten. Es fehlte nicht an reichen und mit-leidigen Bürgern, die ihnen Speise und Trank reichten; ja, siesuchten sie in der Predigt auf und gingen ihnen zuweilen bis zumStadttor entgegen, um sie zu sich einzuladen und in Gruppen zuzwanzig, dreißig und vierzig zu beherbergen, so daß die Zeitender Urkirche wiedergekehrt zu sein schienen. Die Laien führtenzu Hause das Leben von Mönchen und Nonnen 14 ". Selbst in derNacht erhoben sie sich zum gemeinschaftlichen Gebete und be-nahmen sich in ihrem ganzen Wandel wie Engel. Die Liebe ver-klärte ihren Verkehr und verlieh ihrem Antlitze einen unbe-schreiblichen Zauber, an dem sich selbst ganz fremde Personenals Verehrer des Frate erkannten. Auf dem Felde vernahm mankeine weltlichen Lieder mehr, sondern nur mehr Lauden undgeistliche Gesänge, deren damals eine Menge gedichtet wurde;man sang sie mit größter Freude auch bei der Arbeit in Wechsel-chören, wie die Mönche ihr Chorgebet zu verrichten pflegen. So-gar Mütter sah man auf der Straße mit ihren Kindern die kirch-lichen Tageszeiten wechselweise abbeten. Zuweilen gesellten sichzwanzig bis dreißig Männer und Frauen zu frommer Erbauungin der Stadt oder auf dem Lande zusammen, empfingen währendder Messe die heilige Kommunion und verbrachten den Tag inLobgesängen und Psalmen, sei es, daß sie sich vor einem kleinenJesuskinde oder vor einem Kreuze versammelten, vor dem je-mand in einer schönen Ansprache zur Liebe zum Gekreuzigtenanfeuerte, sei es, daß sie mit einem Madonnenbilde einen an-dächtigen Umzug veranstalteten. Die Hochzeiten wurden mitgrößter Ehrbarkeit und Eingezogenheit gefeiert, ohne viel Auf-wand, ohne Tänze, unehrbare Gesänge und musikalische Auf-führungen. Sondern man wohnt am Morgen der Brautmesse an,während welcher die Brautleute die heilige Kommunion empfin-gen, und vereinigte sich dann zu einem bescheidenen Hochzeits-schmause, zu dem die ElterW und Verwandten geladen waren, undauch ein Priester oder Ordensmann erschien, um eine schöne An-sprache zu halten und die Geschichte von Tobias oder sonst eine