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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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254 RELIGIÖS-SITTLICHE ERNEUERUNG

an Ostern zu, selbst die Beichtväter der anderen Orden bekanntenes habe sich in den Gewissen eine außerordentliche Wandlungvollzogen 137 . Die Gläubigen wurden nicht müde, dem Gebete undFasten mit größtem Eifer zu obliegen; wenn der Frate eine schöneAndacht empfahl, so wurde sie mit einem Jubel aufgenommen,als wäre sie aus dem Munde Gottes erflossen 138 . Hätte sich vonseinen Gläubigen jemand beim Metzger blicken lassen, so wäre erin Verruf geraten, so sehr sahen sie auf Enthaltung vom Fleisch-genusse; man mußte den Metzgern die Steuer erniedrigen, da sieV nicht mehr so viel Fleisch wie früher verkauften 138 /- Bei denjLj 0tr>lL~ », Mahlzeiten sprach man den Segen und beobachtete Stillschweigen,um das Leben der heiligen Väter oder andere frommen Werke,besonders die Predigten und sonstigen Schriften des Frate, zulesen. Die Bücher der heidnischen Dichter fielen dem Feuer zumOpfer. Man trieb Grammatik an der Hand der heiligen Lehrer,eines Leo oder Hieronymus, schon begann man öffentlich überdie Bücher des heiligen Ambrosius von den Pflichten zu lesen.Am liebsten versenkte man sich jedoch in die Heilige Schrift;viele vertieften sich vor der Predigt in den biblischen Text, derzur Erklärung gelangen sollte 140 . Schon um Mitternacht standendie Leute auf und eilten zu den Pforten des Domes, um hier %t-R\duldig auf Einlaß zu harren, obschon sie Stunden lang im Freien/''zubringen mußten, allen Unbüden der Witterung ausgesetzt, imi v / Winter auf dem kalten Marmor stehend, Jünglinge und Greise,Frauen und Kinder jedes Standes, alle in einem Jubel und miteiner Freude, daß es zum Staunen war. Wie man zur Hochzeiteilt, so strömten sie in seine Predigt. In der Kirche herrschte diegrößte Stille, jedermann begab sich an seinen Platz, und wer zut lesen vermochte, der verrichtete mit einem Lichtchen an der Handdie kirchlichen Tagzeiten 111 . Obschon gewöhnlich 13 00014 000, f Personen zugegen waren 112 , so war doch kein Sterbenslaut zu ver-nehmen, bis die Kinder einige Lauden mit solcher Innigkeit san-gen, daß man sich ins Paradies versetzt wähnte. So verrannen/drei bis vier Stunden, da betrat endlich der Frate die Kanzel undfesselte die Aufmerksamkeit sofort in dem Maße, daß niemandAuge und Ohr von ihm wandte, und wenn er zu Ende war, someinte ein jeder, er habe eben erst begonnen 113 . Die Schulen undKaufläden blieben fast den ganzen Morgen geschlossen, bis diePredigt vorüber war. Und nicht bloß von Florenz selbst und der