Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
253
Einzelbild herunterladen
 

ERFOLGE DES FRATE 253

Medici, in der Hochblüte der Renaissance, da der Anspruch aufhemmungsloses Sichausleben und Sichdurchsetzen als selbstver-ständliches Menschenrecht erhoben wurde, so wird man überseinen außerordentlichen Erfolg nicht genug staunen können.Dieser Erfolg gereichte vor allem den Gläubigen selbst zur Ehreund legte das glänzendste Zeugnis vom reichen Schatze echterReligiosität ab, der in ihnen trotz allem immer noch schlummerte; .er kam aber ebenso sicher auch auf Rechnung der überragendenPersönlichkeit des Predigers selbst. Es fehlte in Florenz gewißnicht an Predigern vor ihm und neben ihm. Er erreichte mehrals sie alle, weil er heißer liebte als sie alle, und ganz besonders,weil er sein Wort, der Mahnung seines Großvaters eingedenk,durch sein Leben bekräftigte und mit dem zündenden Beispielemakelloser Heiligkeit allen voranleuchtete. Voll Freude verglicher das geistige Keimen und Sprossen, das er erzeugte, mit einerArt neuer Schöpfungswoche, und mit berechtigter Genugtuungblickte er auf die Menge Bekehrter, die mehr als hundert Pisasaufwiegen 132 .Niemals", rief er aus 133 ,gewahrtest du eine solcheWandlung: die Mädchen gehen verschleiert, die Witwen leben .ehrbar, viele verheiratete Frauen beobachten mit ihren Gatten £ /eheliche Enthaltsamkeit, die Kinder sind gebessert, die ganzeStadt ist voll neuen Lebens und Eifers, Spiel, Sodomie und Got-teslästerung verbannt." Einen vorzüglichen Gradmesser der Auf-richtigkeit der Bekehrungen bot die Rückerstattung ungerechtenGutes, denn in Geldsachen waren die Florentiner sehr zäh. Her-ausgabe fremden Gutes, Aussöhnung mit Feinden, Klostereintritteund ähnliches waren nun freilich ganz gewöhnliche Begleiterschei-nungen der von den Bußpredigern erzielten Rührung 134 . Alleinunter dem Einflüsse der Predigt des Frate nahmen diese Erschei-nungen doch eine sonst unerhörte Ausdehnung und Tiefe an.Wie ein Beichtvater mitteilte, ging allein durch seine Hand undbinnen weniger Monate die nach damaligem Geldwerte ungeheureSumme von 25 000 Dukaten; von anderer Seite wurde das zurück- ß «rv*e a» ec/jt/-erstattete Wuchergeld auf 40 000, ja auf 100 000 Dukaten ge-schätzt 135 . So groß war der Andrang zu den heiligen Sakramen-ten, daß sich der Frate zu Ostern (1496) genötigt sah, die Gläu-bigen zu ermahnen, sie möchten den Beichtvätern nun vierzehnTage Ruhe gönnen, denn sie seien vor Anstrengung abgemagert 1 * 8 .Aber auch an den Festtagen des Jahres ging es in S. Marco wie