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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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252 RELIGIÖS-SITTLICHE ERNEUERUNG

sich gern auf ihre Ordensstifter, aber die Kutte macht nicht denMönch. Klosterleute, die nur den Namen der Stifter tragen, sindnicht die Söhne, sondern nur die Affen jener heiligen Männer,von welchen sie nicht nachsichtige Fürsprache, sondern erbar-mungslose Züchtigung zu gewärtigen haben 1 ' 7 . Während die Zelleihr Grab sein sollte, pflegen sie allzu häufigen und allzu vertrau-ten Umgang mit den Kindern der Welt und laufen den ganzen Tagin den Häusern bei ihren Gevatterinnen herum 128 . Obschon sieihren Ordenssatzungen gemäß nichts Überflüssiges und, sofern sieBettelmönche sind, überhaupt nichts besitzen, jedenfalls aberReichtümer aufs sorgfältigste vermeiden, die Armut als ihrenhöchsten Reichtum hochschätzen und sich von Handarbeit nährensollten 120 , sind sie auf Geld und Gut, auf kostbare Kutten, präch-tige Klöster, die eher Paläste zu nennen sind, auf gutes Essen undTrinken, überhaupt auf alle möglichen Äußerlichkeiten und Be-quemlichkeiten, ganz besonders auf den Vorteil ihres Ordens undKlosters, nicht aber auf das Heil der Seelen erpicht, den ver-schiedensten Sünden und Lastern ergeben und schlechter nochals die Laien, ja liederlicher sogar als die Dirnen. Sie predigenBuße und Abtötung, lassen sich aber Kapaunen schmecken, wäh-rend die Armen Hungers sterben. Statt nach Zwiebeln, riechensie nach feinen Essenzen. Singsang und Orgelspiel ist ihre Freude.Sogar das Blut Christi verkaufen sie 130 . Und gleich den Mönchensind auch die Nonnen tief gesunken. An eitlen Tand aller Art istihr Herz verloren; mehrstimmiger Kirchengesang und Orgelklang,Bücher, in Gold und Seide gebunden, Ordenskleider je nach derJahreszeit, kleine Jesuspüppchen aus Gips oder Holz, in Brokatgekleidet, mit Gold und Silber und kostbaren Edelsteinen ge-schmückt, sind ihre Götzen; daß die Armen Hungers sterben,kümmert sie nicht. Sie treiben bei der Einkleidung den größtenAufwand und versündigen sich durch Simonie, indem sie sich fürdie Aufnahme der Novizinnen bezahlen lassen. Da sie allzu vielmit Weltleuten umgehen, so sind sie auch selbst ganz verwelt-licht. Sie heben den Mönchen die leckersten Bissen auf und ste-hen in geschlechtlichem Verkehr mit ihnen. Vielfach sind sieschlechter noch als die Huren 131 .

Die Worte des Predigers fielen auf fruchtbares Erdreich. Be-denkt man, daß er inmitten einer reichen, von Lebenslust undLebenskraft strotzenden Bevölkerung wirkte, in den Tagen der