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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
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ABERGLAUBEN _____________________24g

mer ins andere, ein Ablegen der Maske, eine Erlösung aus demGefängnisse, ein Kleiderwechsel 103 . Zur Vorbereitung auf hoheFeste wie bei außerordentlichen Anlässen, wenn es gilt, GottesZorn und Strafgericht abzuwenden, ist es rätlich, eindringlichesGebet mit guten Werken, wie Fasten, Almosengeben und Ab-tötungen, zu verbinden 104 .

So heilsam und weise fromme Gebetsübung jedoch ist, so tö-richt ist es, zu läppischen Gebeten und abergläubischen Bräuchenseine Zuflucht zu nehmen. Bei vielen besteht das christliche Lebenin Andachten und Fasten zu Ehren des heiligen Sebastian undRochus. Viele nehmen den Strick des heiligen Franz oder dasGewand vom dritten Orden des heiligen Dominikus und wähnennun, einen Freibrief für alle Sünden zu besitzen. Viele lassen sichzum Eintritte in einen Orden oder zur Verrichtung eines be-stimmten Gebetes durch die Erwartung verleiten, auf diese Weiseder ewigen Verdammnis zu entrinnen. Wieder andere tragen dieEvangelien oder gewisse Gebetsformeln auf Zetteln am Halse oderauf dem Leibe, in der Hoffnung, hierdurch dem Tode durchMörderhand oder der Pest zu entrinnen oder soundso viele JahreAblaß zu gewinnen. Das ist alles Fabelei, Aberglaube und Teu-felstrug. Alle diese Gebete entspringen nicht der Liebe, sondernder Habsucht und Geldgier. Christus sagt nicht: Wer den NamenGottes am Halse trägt, der wird selig werden, sondern wer ihn oftvon Herzen anruft. So steht es aber heutzutage um das Christen-tum! Ich sage dir, das christliche Leben ist etwas anderes, alsGebetszettel auf dem Leibe tragen 105 ! Ebensowenig verhelfenprunkvolle Kapellen oder kostbare Meßgewänder und Gefäße zumHeile. Gott sieht nicht auf reiche Ornate und schöne Kirchen.Der Bau einer Kapelle macht dich nicht selig. Solche Dinge sindimmer nur Nebensache. Gott muß man suchen, nicht prächtigeTempel. Der wahre Tempel ist des Christen Herz. Da ist der Altarzum Gedächtnisse des Leidens Christi errichtet die Steine sinddie Tugenden, das Weihwasser die Tränen. Heutzutage aber läu-ten die Glocken nur immer: Brot, Geld und Kerzen 106 . Wohl be-ruft man sich zur Verteidigung all des Aufwandes, den man mitdem Baue und Schmucke der Kirche treibt, auf die Pracht dessalomonischen Tempels. Gleichwohl sind solche Dinge immernur soweit zulässig, als sie die Andacht fördern und die Armennicht beeinträchtigen. Wie einst bei den Juden die Zeremonial-