248 RELIGIÖS-SITTLICHE ERNEUERUNG
liehe erhoben 87 . Wie zu häufige Kommunionen, so schaden zuhäufige Messen mehr als sie nützen. Zu große Vertrautheit er-zeugt Geringschätzung. Es gibt heutzutage allzu viele Priester undMessen; auf der Menge der Priester und Messen beruht GottesEhre nicht. Gäbe es in einer Stadt oder Gegend nur einen Prie-ster und am Sonntage nur eine Messe, so würde diese viel höhergeachtet und mit viel größerer Andacht besucht 08 .
Zu den wichtigsten und wirksamsten Heilsmitteln zählt dasGebet". Auch bei ihm kommt alles auf den Geist und auf dieGesinnung des Herzens an. Bloßes Lippengebet hat keinen Wert.Mit dem Herunterleiern von Psalmen und Rosenkränzen ist nichtsgetan. Wo das Herz nicht spricht, müht sich die Zunge vergebensab. Darum nur nicht so viele Gebete, nur nicht so viele Vater-unser! Ein einziges andächtiges Vaterunser wiegt tausend nur mitden Lippen gesprochene auf 100 . Das wahre, von Herzen kommendeGebet gereicht dem Menschen in allen Nöten seines persönlichenwie des kirchlichen Lebens zum höchsten Segen; niemals nimmtGott große Dinge, wie sie eben jetzt im Anzüge sind, in der Weltvor, ohne daß viel gebetet wird 101 . Von größtem Nutzen ist dasbeschauliche Gebet, die Betrachtung des Leidens Christi und derletzten Dinge des Menschen. Lies fleißig im Buche des Kreuzes!In ihm ist alle Tugend und Weisheit, wahre Freiheit, Furcht-losigkeit, Trost und Stärke in allen Versuchungen und Wider-wärtigkeiten, Gottähnlichkeit und jene Einsicht in die erhaben-sten Geheimnisse unseres Glaubens zu schöpfen, durch die einaltes Weiblein einen Aristoteles überragt 102 . Um nicht in Sündenzu fallen, denke gleich den Heiligen häufig an die Vergänglichkeitalles Irdischen, an die Gewißheit des Todes, an die Ungewißheitder Todesstunde, an das Gericht, an die Qualen der Hölle und andie Wonnen des Himmels! Ihr schlaft, ihr seid keine Männer,sondern lebt in den Tag hinein wie die Kinder. Nicht auf wei-chem Kissen, nur auf dem Dornenpfade des Kreuzes gelangt manins Paradies. Fertige dir eine Brille des Todes an und betrachtedurch sie alle Dinge, sie werden dann ein ganz anderes Aussehenannehmen. Genieße das Leben wie ein Eilbote, der in größterHast nur für einen Augenblick in die Herberge tritt und die nö-tigste Erfrischung nur im Stehen hinunterstürzt. Willst du dieFurcht vor dem Tode überwinden? Dann denke beständig an denTod! Für den Guten ist der Tod nur ein Schritt von einem Zim-