ZEREMONIEN UND ABLÄSSE 247
heit zu sagen, buhlen vielmehr um ihre Gunst und sind darauf be-dacht, das unrechte Gut, das die Beichtkinder an die von ihnengeschädigten rechtmäßigen Besitzer zurückzuerstatten verpflichtetsind, sich selbst zuzuwenden, nicht selten zum Ärgernis der Beicht-kinder selbst 02 . Hast du aber einen guten Beichtvater gefunden,so vertraue ihm dein inneres Leben und deine Versuchungen an,wie denn der heilige Anton sagt, daß man ohne Beratung mitseinem Seelenführer keinen Bissen genießen sollte 93 . Mache esnicht wie so viele Leute, die das ganze Jahr sündigen und dochnur einmal zur Beichte gehen, sondern beichte öfter, wenigstensfünfmal im Jahre, an den Hauptfesten, nämlich zu Ostern, Pfing-sten, Maria Himmelfahrt, Allerheiligen und Weihnachten 04 . DieHauptsache bleibt jedoch stets eine gründliche Lebensbesserung,ohne welche die Beichte ebensowenig hilft wie der Ablaß. Aller-dings stehen die Ablässe und alles, was Geld trägt, heutzutage inhohen Ehren, und es ist auch nicht zu bestreiten, daß der Papstund die kirchlichen Oberen die Gewalt haben, auf Grund der über-schüssigen Verdienste Christi und der Heiligen Ablässe zu ver-leihen. Aber ohne Liebe haben die Ablässe keinen Wert; dieLiebe ist der beste Ablaß. Tatsächlich sind sie uns wie all dieseZeremonien schlecht bekommen; ich möchte daher, sie wärengar nicht, und alle Ablässe und die übrigen Äußerlichkeiten wür-den abgeschafft, oder du machtest dir nichts aus ihnen, tätest, alsseien sie nicht vorhanden, und kämest nackt wie ein Kind 05 .
Dem Tische des Herrn nahe man nur, nachdem man seineSünden aufrichtig bereut und gebeichtet hat. Gegenwärtig kommuni-zieren die Laien nur einmal des Jahres, die Mönche alle Monate;es sollte aber öfter, wenigstens an den Hauptfesten, geschehen,und schon die Kinder sollten an eine häufigere Kommunion ge-wöhnt werden 06 . Niemals darf diese jedoch zur bloßen Gewohn-heitssache herabsinken, sondern immer nur der Ausfluß wahrerHerzensandacht sein, die keiner Gelehrsamkeit, keiner Philoso-phie und keiner theologischen Wissenschaft bedarf. Solange manaber immer noch in die alten Sünden zurückfällt, hat man allenGrund zur Befürchtung, daß man die Sakramente nicht würdigempfängt. Der unwürdige Empfang macht die Empfänger immersündhafter, der würdige dagegen immer frömmer; namentlichwerden die Gläubigen durch die heilige Kommunion zu Heiligenund engelhaft-göttlichen Wesens teilhaftig, kurz ins Übermensch-
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