244 RELIGIÖS-SITTLICHE ERNEUERUNG
das ihrige beizutragen, richteten sie die schriftliche Bitte 69 an ihner möge sich, nachdem er sich wiederholt mit der Besserung derMänner und Kinder beschäftigt habe, nun auch der Frauen undMädchen annehmen. Eben stehe der Sommer vor der Tür, die Zeit,da sich das weibliche Geschlecht neu zu kleiden pflege; eben jetztsei daher die beste Gelegenheit, die nötigen Fingerzeige zu einerÄnderung der Frauenkleidung zu geben. Der Frate empfahl denFrauen eine Tracht, die zwar selbstverständlich den Forderungenweiblicher Züchtigkeit wie den Geboten christlicher Einfalt undEinfachheit bezüglich der Verwendung von Geschmeide und SeideRechnung trug, aber zugleich alle übertriebene Strenge vermied" 1 .„Gehet nach Genua", rief er ihnen zu 71 , „und sehet, wie dort dieFrauen ganz bedeckt sind! Lernet Ehrbarkeit von den Türkin-nen, die sogar ihr Gesicht mit einem schwarzen Schleier verhül-len 27 ! Maria, die Mutter der schönen Liebe, erwartet von ihrenTöchtern, daß sie sittsam und mit bedecktem Haupte ohne so vieleÜberkleider und Netze einhergehen. Manche tragen feine Schleierim Werte von zwei Dukaten — das sind keine Töchter der selig-sten Jungfrau. Darum, ihr Frauen, schämet euch nicht, aus Liebezu Christus ehrbar und einfach gekleidet zu gehen, der aus Liebezu euch nackt am Kreuze hing 73 ! Wenn sich die Behörden einerobrigkeitlichen Regelung euerer Trachten entziehen, so nehmet dieSache selbst in die Hand; um die Einzelheiten kümmere ich michnicht, das ist euere Sache 74 ". Die Frauen einigten sich wirklichauf eine Reform ihrer Tracht und ordneten nun aus ihrer Mitteeine feierliche Gesandtschaft an die Signorie ab, um die behörd-liche Genehmigung zu erhalten, die sie jedoch nicht durchzu. setzen vermochten 75 . Um der Predigt des Frate willen verzich-teten junge Mädchen, die doch sonst so sehr am Putze hingen,auf alle Hoffart. Selbst die Töchter vornehmer Familien sprachenA<*'4 ? zu mren Müttern: „Liebe Mutter, spende, was du für urlerenSchmuck bestimmt hattest, den Armen Christi 76 !" So schwer esmanchen auch fiel, und so sehr sie um ihre Schleierhalter (veliere)weinten, so entäußerten sich die Frauen, der Mahnung des Frate,1 folgsam, doch willig der Gegenstände ihrer Hoffart 77 . ' MancheFrauen ließen ihre kostbaren Kleider zu Meßgewändern verarbei-ten, was der Frate nicht für empfehlenswert hielt 78 . Wie er denGläubigen zu erklären nicht unterließ, daß man auch in der Weltdas fromme Leben eines Heiligen führen könne, so versäumte er