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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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EHEFRAUEN UND MÜTTER 245

es nicht, die Ehefrauen daran zu erinnern, daß sie den Stand derVollkommenheit erlangen könnten, ohne sich ihren ehelichenPflichten und Rechten zu entziehen. Selbst wenn sie sich unmit-telbar nach dem ehelichen Umgange in die Kirche begeben, be-gehen sie keine Sünde 70 . Nach dem Vorgange der heiligen Väterwäre zu wünschen, daß sich die Gatten während der vierzigtägigenFastenzeit oder doch an den höchsten Festen bzw. drei Tage zuvordes ehelichen Verkehres enthielten; fühlen sie sich jedoch hierzuzu schwach, so machen sie sich auch nicht einmal einer läßlichenSünde schuldig 80 . Die Mütter sollen ihre Kinder selbst stillen undnicht den Ammen überlassen, rohen Leuten aus dem niedrigenVolke, oder gar Sklavinnen. Denn das Kind saugt mit der Mutter-milch leicht auch die sittlichen Eigenschaften solcher Personenein und wird gleich ihnen sinnlich oder jähzornig, so daß es nurmehr zur Hälfte das Kind seiner Eltern ist 81 . Wie die Handwerkerauf ihre Lehrjungen achten und in ihrer Gegenwart keine un-ehrbaren Reden führen sollen, so obliegt es den Hausmüttern, einwachsames Auge auf ihre Mägde und Töchter zu haben und sienicht allein auf der Straße herumlaufen zu lassen 82 . Ein viel-beklagter Krebsschaden, der am wirtschaftlichen Marke vieler,besonders vornehmer Familien zehrte, lag in der übermäßigenMitgift der Töchter, welche die Verarmung selbst wohlhabenderHäuser nach sich zog 83 . Um Abhilfe zu schaffen, schlug der Fratevor, eine Verordnung zu erlassen, wonach die Mitgift in keinemFalle fünfhundert, bei Handwerkern dreihundert Dukaten über-steigen dürfe 84 . Endlich regte er an, die für die Seelen der Jüng-linge und Jungfrauen oft so verderblichen Hochzeitszüge (cortei)abzuschaffen und das hierdurch ersparte Geld den Armen zuspenden 85 . Eine Zusammenfassung der Grundsätze, nach welcheneine ehrbare Frau ihr Leben einzurichten hätte, eine Art Haus^» tafel für christlic he Mütter, hinterließ er in seinem Schriftchen:Regel für euer Leben 86 ".

Wie das bürgerliche und häusliche, so und noch viel mehr mußdie heilige Einfalt das religiöse Leben beseelen 87 . Religion undsemplicitä sind für den Frate Wechselbegriffe. Mit wahrer Re-ligion ist stets auch die christliche Einfalt gepaart, und nur wochristliche Einfalt waltet, kann echte Religion gedeihen. Die Re-ligion ist die Tugend der Gottesverehrung und umfaßt angesichtsder leiblich-geistigen Doppelnatur des Menschen eine doppelte