DIE FETTEN KÜHE VON SAMARIEN 243
Übel zu vermeiden 63 . Dabei ließ er es an scharfen Worten gegendie „fetten Kühe" von Samarien, wie er sie nach Arnos 4, 1 nannte,keineswegs fehlen. Er bezeichnete sie als „Fleischklumpen mitAugen, die, aller Scham bar, nun nicht mehr bloß die Kebsen vonLaien, sondern auch von Geistlichen und Mönchen geworden seienund noch dazu öffentlich. 64 Auch die Schließung der „Häuschen"(casolini) und der Schänken (taberne) forderte er; eben sie warenja die Herde und Hauptbruttstätten der Ausschweifung, und zwarbesonders auch der gleichgeschlechtlichen 65 . Aber eine gänzlicheBeseitigung der Mädchenhäuser beantragte er, wie bemerkt, nicht,eben deshalb um so mehr darauf bedacht, der Verführung wenig-,stens die belebtesten Straßen zu versperren. Am allerwenigstenwollte er es dulden, daß sich die Dirnen während der Karwochein den Straßen herumtrieben; er schlug auch eine Verordnung vor,wonach wenigstens die jüngeren unter ihnen jedes Jahr acht Tagelang die Predigt anhören sollten, denn es gebe viele verunglückteWesen, die gerne wieder auf den Weg der Ehrbarkeit zurückkehr-ten 06 . Wenn der Frate in diesem heiklen Stücke mit einer gewissenRücksicht verfuhr, so hing dies mit der milderen Beurteilung zu-sammen, die er den Sünden gegen das sechste Gebot, soweit sienicht wider die natürliche Ordnung verstießen, angedeihen ließ.Der Geschlechtstrieb, äußerte er 67 , ist, da er einem der ursprüng-lichsten Natur zwecke dient, um seiner Heftigkeit willen am schwer-sten zu bändigen, Verfehlungen dieser Art sind also auch am ehe-sten zu entschuldigen. Da sie überdies vor dem Richterstuhle deseigenen Gewissens am wenigsten zu verheimlichen sind, so pflegensie in der Seele des Sünders immer auch ein lebhaftes Bewußtseinder Schuldhaftigkeit hervorzurufen und wach zu erhalten, worinimmer schon der erste Schritt zur Buße und Besserung liegt. An-dererseits sind aber die geschlechtlichen Verirrungen eben um ihrertriebhaften Wucherung in der menschlichen Natur willen auchwieder doppelt gefährlich, und es ist daher sorgsam alles aus demWege zu räumen, was ihnen Anreiz und Nahrung verleiht. Anlaßzu zahllosen Sünden gibt nun besonders eine unschamhafte Frauen-tracht; die Beichtväter wissen davon zu erzählen 68 . Gerade in denempfänglichen Herzen der Mädchen und Frauen loderte aber daszu den schwersten Opfern begeisternde Feuer göttlicher Liebe, vonden mächtigen Worten des Frate entzündet, in hellen Flammenempor. Von dem Verlangen verzehrt, zur Verherrlichung Gottes