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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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SPIELER UND GOTTESLÄSTERER 241

wut nebst der mit ihr aufs engste zusammenhängenden Gottes-lästerung und die geschlechtliche Ausschweifung. War schonBernhardin von Feltre mit der größten Strenge überall, wohin erkam, gegen Spiele und Spieler aufgetreten 49 , so forderte gleich ihmSavonarola die härtesten Maßregeln wider die eingewurzelte Lei-denschaft des Spieles. Er ermahnte die Behörden zu rücksichts-losem Einschreiten ohne Ansehen der Person gegen jedermann,der öffentlich spiele; fänden sie einen, der auf der Straße umfünfzig Dukaten spiele, so sollten sie ihn anhalten, der Stadt tau-send Dukaten zu leihen 50 . Leute, die öffentlich spielten, verdientensogar, mit dem Tode bestraft und lebendig verbrannt zu werden 51 .Zwar hielten es die Spieler nun doch für geraten, sich von derStraße zurückzuziehen, frönten nun aber ihrer Leidenschaft in denHäusern bei verschlossenen Türen nur um so mehr. Um ihnendas Handwerk auch da zu verleiden, schlug der Frate gelegentlichvor 52 , Sklavinnen, die ihre dem Spiele ergebenen Herren anzeigten,die Freiheit, Dienern eine Belohnung in Aussicht zu stellen, eineAnregung, die freilich niemals verwirklicht wurde 53 . Selbst aufoffener Straße griff das Spiel bald wieder in alter Weise um sich,verbunden mit Flüchen so entsetzlicher Art, daß man die Lang-mut Gottes in Ertragung solcher Frevel bewundern zu müssenglaubte. 54 Unter Berufung auf die alttestamentliche' Verordnung:Wer den Namen des Herrn lästert, der soll des Todes sterben,steinigen soll ihn die ganze Gemeinde (Lev. 24, 16), verlangte er,daß Gotteslästerern, wenn sie auf frischer Tat betroffen würden,die Zunge durchbohrt werden sollte, wie ja auch der heilige Ludwigvon Frankreich einem Gotteslästerer die Lippen mit der Bemer-kung habe verbrennen lassen, er möchte, dies geschähe ihm selbst,falls er der Gotteslästerung hierdurch in seinem Reiche ein Endebereiten könnte 55 . Mit erbarmungsloser Strenge wollte der Fratewider das Laster der Sodomie vorgegangen wissen, das eben obseiner weiten Verbreitung strafrechtlich unbehelligt blieb oderhöchstens mit fünfzig Dukaten gebüßt wurde 56 , aber um seinerverheerenden Wirkung und Unnatürlichkeit willen in seinen Augeneine noch schändlichere Sünde als selbst die Versündigung mit dereigenen Mutter war 57 . Wie andere Bußprediger, wie der seligeJordan von Pisa und der milde heilige Bernhardin von Siena bean-tragte er, Männer und Weiber, die diesem fluchwürdigen Lasterfrönten, zu verbrennen, Gott zum Opfer und Wohlgeruche; zum

16 Schnitzer, Savonarola