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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
239
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DER REICHTUM 239

der Apostel:Wir haben nichts in diese Welt mitgebracht undnehmen nichts von ihr mit; seien wir also zufrieden, wenn wirnur soviel haben, um leben zu können; denn die reich werdenwollen, fallen in Versuchung und in die Fallstricke des Teufels."(1 Tim. 6, 7.)

Aber nicht bloß die Erwerbung, sondern auch schon die Erhal-tung des Reichtums ist mit großer Gefahr für das Seelenheil ver-bunden, denn es ist schwer, inmitten der Welt und ihrer Genüssezu leben, ohne das Herz an sie zu verlieren. Darum kann, werden Reichtum nicht haßt, nur schwer ins Himmelreich eingehenein Haß, der in dem Sinne zu verstehen ist, in dem der Kranke diebittere Arznei haßt, von welcher er nicht mehr einnimmt, als zurErlangung der Gesundheit nötig ist 38 . Gleichwohl kann und darfauch der Christ ohne Sünde mehr zeitliche Güter erwerben undbesitzen, als er für den Augenblick braucht, denn er darf und sollauf vorausgesehene wie unvermutete künftige Notfälle und Be-dürfnisse Rücksicht nehmen und den für seinen Stand erforder-lichen Aufwand treiben 39 . Aber alles, was darüber hinausgeht, allesÜberflüssige soll man den Armen geben. Denn jeder raubt dasseinem Nächsten, was er an Überfluß für sich behält, wie auch dieVäter erklären 40 , wobei zu bemerken ist, daß man bei Bemessungder Lebsucht nicht kleinlich und ängstlich zu sein braucht.

Aber auch mit dem bloßen Nichtstreben nach Reichtum ist esnoch nicht getan. Besser kann es erst werden, wenn die Christen,und zwar nicht etwa nur die Priester und Ordensleute, sondern auchdie Laien das Gold, das sie nur allzusehr lieben, geradezu hassen 41 .Das mindeste, was man verlangen kann und muß, ist Ehrlichkeitim Verkehr. Daher redet der Frate den Wechslern, Krämern undHandwerksleuten ins Gewissen, sich aller Unehrlichkeit in Handelund Wandel, aller Übervorteilung ihrer Kunden durch schlechtesMaß und Gewicht, besonders auch der falschen Schwüre zu ent-halten, mit denen sie tagtäglich um des geringsten Betrages willenihre Seelen dem Teufel verschreiben. Namentlich sollen die No-tare in sich gehen, die schlechte und wucherische Verträge aus-fertigen, offenkundig ungerechte Verteidigungen übernehmen, dieProzesse mit ihren Ränken in die Länge ziehen, ja ihren Berufausüben, ohne die nötige Vorbildung zu besitzen 42 . Unter Beru-fung auf das Wort des Herrn:Leihet aus, ohne dafür etwas zuerwarten" (Luk. 6, 35), verlangt er, Darlehen zu gewähren, ohne