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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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238 RELIGIÖS-SITTLICHE ERNEUERUNG

alten und neuen Bundes, besonders die Apostelfürsten in ihrenBriefen erteilen 31 . Gerade aus ihnen erhellt deutlich, daß nichtetwa nur die Armen und Niedrigen, sondern auch die Vornehmenund Reichen zur Einfalt verpflichtet sind. Denn die Mahnungen1 Petr. 3, 1 ff. und 1 Tim. 3, 9 f., beziehen sich nicht etwa aufNonnen, denn solche gab es damals noch nicht, noch auf armeFrauen, für die sich das Tragen von Perlen- und Goldschmuckvon selbst verbot, sondern auf Personen der höchsten Gesellschafts-klassen. Somit ist klar, daß alle Christen, auch die von höchstemRange, zur Pflege der Herzenseinfalt verpflichtet sind. Denn alleChristen sind kraft ihres Christentumes gehalten, einem geistigenWandel zu obliegen und nach Heiligkeit zu streben, da sie in derTaufe gelobten, dem Satan, aller seiner Hoffart und allen seinenWerken zu entsagen. Mit Rücksicht auf die menschliche Schwächeund auf die herkömmlichen Verhältnisse ist es nun, wenn auchnicht als förmliches Gebot, so doch als Rat anzusehen, daß sich| Frauenbund Töchter fürstlichen Geschlechtes des Schmuckes ausGold, Silber und Edelstein nur selten und aus vernünftigen Grün-den bedienen, Kleider aus Seide aber ohne Verletzung der christ-lichen Einfalt tragen können, obschon es sich empfiehlt, daß siedes guten Beispieles halber häufig wollene Kleider anziehen 115 .Frauen vornehmen Geschlechtes sollten für gewöhnlich Wolle undnur ausnahmsweise Seide tragen. Frauen aus dem Volke und vomHandwerkerstande sollten sich mit geringerem Stoffe, Frauen vomLande und niedrigsten Range, wie Dienstboten, mit groben undwohlfeilen Tüchern begnügen. Nonnen endlich, die das Gelübdeder Armut abgelegt haben, dürfen nur ärmliche Stoffe führen undsollen ihr Ordenskleid flicken, solange es geht. Was nun aber vonder Kleidung gilt, das gilt in ähnlicher Weise von der Nahrungund Wohnung. Wenn nun schon die Frauen, obschon zumSchmucke von Natur aus geneigt, zur Pflege der Einfalt gehaltensind, um wieviel mehr die Männer; wenn schon die Laien, umwieviel mehr die Geistlichen; wenn schon die Geistlichen, um wie-viel mehr die Klosterleute; wenn schon die Klosterleute, um wie-viel mehr die Bettelorden! 36 Sowenig wie eitles Gepränge undkostbarer Schmuck, verträgt sich mit der Einfalt des Christen-lebens das Haschen nach Reichtum, das den Christen an der ihmso nötigen Sammlung des Geistes behindert und nie oder fast nieohne Schädigung des Nächsten vor sich geht 37 . Mit Recht spricht