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ABSCHLUSS DER VERFASSUNG
haben, das er sich zuschrieb, so war doch das eine so wenig wiedas andere je allgemein anerkannt. Wie er selbst nie wußte, ob eram nächsten Sonntage auf die Kanzel zurückkehren und nichtschon ermordet sein werde 125 , so war auch die Theokratie in steterGefahr, von einer neuen Tyrannei verdrängt zu werden 126 .
Gleichwohl war Mit- wie Nachwelt in der Anerkennung seinerVerdienste um die Neuordnung der Verfassung einig. „Ichglaube," schrieb Guicciardini, „ihr seid diesem Frate zu großemDanke verpflichtet, da er euch zur rechten Zeit auf die ernsten Ge-fahren der von euch geplanten Staatsform aufmerksam machteund euch so vor den verhängnisvollen Umwälzungen bewahrte,die sonst unabwendbar gewesen wären." Wenn die größten floren-tinischen Politiker, Männer wie Machiavelli, Guicciardini undGiannotti, die italienische, besonders die römische und florentini-sche Geschichte überdachten, um die für ihre Landsleute geeig-netste Verfassung zu ergründen, so gelangten sie immer wiederjzum Ergebnisse, die Verfassung von 1494 und der große Rat seienverhältnismäßig doch immer noch das Beste gewesen 128 . Freudig■ ward von der großen Menge der Bürgerschaft sein mannhaftesEintreten für die Freiheit und für die Volksherrschaft begrüßt.„Alle, die es mit der Volksherrschaft ehrlich meinten, wurden seineAnhänger, die anderen aber seine Todfeinde", schrieb sogar einGegner 120 , und derselben Meinung waren erst recht seine Ver-ehrer 130 . Es erregte allgemeines Erstaunen, daß er seine Absichtentrotz des verzweifelten Widerstandes der Großen auf friedlichemWege durchzusetzen vermochte 131 ; es hatte den Anschein, „alswohnte all seinen Anordnungen eine übermenschliche Gewaltinne 132 ". „Keinem anderen", bemerkte Johann Nesi 133 , Freund undSchüler des Marsilius Ficinus, „hat die Stadt so viel zu danken wiedem Frate, ohne den sie längst dem Erdboden gleichgemacht wäre.Mögen die Gegner dies leugnen und ihr Gift ausspritzen, so langesie wollen, die Sache verhält sich doch so und liegt sonnenklar zu-tage. Es fehlte nicht an Leuten, die ihre Freiheit zu verschachernund gleichsam zu versteigern gesonnen waren. Er aber legte sichfür sie so sehr ins Zeug, daß er schließlich sogar seine eigenenWidersacher für das Gemeinwohl gewann, die Streitigkeitenschlichtete, die Stadt beruhigte, den Frieden herstellte, die Begna-digung durchführte und die Berufung an den großen Rat zuwegebrachte. Wer dies bestreiten wollte, der müßte von Sinnen sein.'