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228 ABSCHLUSS DER VERFASSUNG
nach innen wie außen im Gefolge, man kann sich auf ein solchesStaatswesen verlassen, und so sind auch seine Truppen, weilregelmäßiger bezahlt, zuverlässiger und tapferer, die Freundesuchen bereitwilliger ein Bündnis mit ihm, während sich dieFeinde mit ihm anzubinden hüten 94 . Kurz, vier Dinge sind zurErhaltung einer durch Gottes Fürsorge aufgerichteten Volksherr-schaft von Nöten: Gottesfurcht, Gemeinsinn, Nächstenliebe undstrenge Rechtspflege 95 .
Man hat gemeint, die Herrschaft, die der Frate in Florenz ein-führte, sei Theokratie in vollster Ausprägung gewesen 96 . Diese Be-hauptung ist richtig und unrichtig, je nach dem Begriffe, den manmit dem Worte Theokratie verbindet. Versteht man darunterHierokratie oder Beherrschung des Volkes durch die im Namenund Auftrage Gottes gebietende Priesterschaft, so kann von einerTheokratie unter Savonarola gar keine Rede sein. Wer den Fratebeschuldigt 97 , er habe Christum zum König von Florenz ausge-rufenem die Macht der Kirche bzw. der die sie vertretenden Kleriseiaufzurichten, der hat seines Geistes nie einen Hauch verspürt. Savo-narola hielt den Klerus aller Grade für allzu verdorben, als daßer ihm eine über seine kirchliche Aufgabe hinausgehende beson-dere staatliche Rolle hätte zuweisen können. Tatsächlich räumteer denn auch der Geistlichkeit in der von ihm beeinflußten floren-tinischen Neuordnung nicht die geringste staatliche Gewalt ein,weder ein Recht der Oberaufsicht über die staatlichen Behördenund ihre Verordnungen, noch eine Befugnis zur Einmischung indie bürgerliche Verwaltung und in die Rechtspflege, noch sonsteine Ausnahmestellung. Sowenig er je daran dachte, die demKlerus auf Grund des kanonischen Rechtes zustehenden Vorrechte,wie das Privilegium fori, die Befreiung von der weltlichen Ge-richtsbarkeit, oder das Privilegium immunitatis, die Befreiung vonöffentlichen Abgaben, Lasten und Obliegenheiten, anzutasten oderzu verkürzen, so wollte er sie doch nicht in selbstsüchtig-kirch-lichem Sinne ausgenützt, sondern zum Besten der staatlichen Ge-meinschaft angewandt wissen. Er ermahnte Priester und Ordens-' leute, den Staat mit Geld zu unterstützen; wenn, sie dazu auch' nicht eigentlich verpflichtet seien, so sollten sie es freiwillig tun 98 .Er forderte sie auf, ihre kostbaren Kirchengeräte, ihre Kelche undKreuze aus Silber und Gold, den Armen zu opfern; in Zeiten derNot, erklärte er, muß man die Kelche zerschlagen und in Brot