BÜRGERPFLICHTEN 227
der bestehenden eine bessere Staatsform in Vorschlag zu bringen,bei deren Einführung er selbst sie an vorderster Stelle unterstützenwerde 83 . Solange aber niemand etwas Besseres an Stelle der vomVolke nun einmal gebilligten Neuordnung zu setzen wisse, dürfeman nicht auf ihren Sturz ausgehen, wie dies die Arrabbiaten imSchilde führten 84 . Da der große Rat Herr und König von Florenzist, so ist jeder Angriff gegen ihn ein Majestätsverbrechen. AlleUmtriebe gegen ihn richten sich wider Gott, seinen Urheber, undsind daher sündhaft und strafbar 85 . Aufs strengste sind alle gehei-men Machenschaften und Verabredungen (intelligentie), selbstwenn sie zu seinen eigenen Gunsten stattfänden, zu verpönen 86 .Bei der Wahl von Beamten darf man nicht den Vorteil seiner Ver-wandten und Freunde, sondern nur Gottes Ehre und das Gesamt-wohl im Auge haben; im Zweifel verdient der Kluge den Vorzug} **4< « 'vor dem Frommen, denn in Sachen des Staatswohls ist es mitbloßer Güte und mit dem ehrlichen Willen allein noch nicht ge-tan 87 . Wer an den Ratssitzungen teünimmt, ist zur Beobachtungdes Amtsgeheimnisses verpflichtet; es müssen auch Vorkehrungengetroffen werden, daß gewöhnliche Bürger keinen Verkehr mitfremden Mächten unterhalten 88 . Obschon man bei allen wichtige-ren Beratungen Gott um seine Erleuchtung und Hilfe anflehensoll, so darf man doch über dem Vertrauen auf den Beistand desHimmels die nötigen menschlichen Maßnahmen (provisioniumane) nicht versäumen 89 . Schon Bernhardin von Feltre hattedem Volke wegen Vernachlässigung der Rechtspflege mit demZorn Gottes gedroht 90 . In der Tat war das florentinische Ge-richtswesen schwach, grausam und parteiisch zugleich und ver-mochte weder Vertrauen noch Furcht einzuflößen 91 . Aufs ein-dringlichste schärfte daher auch der Frate der Bürgerschaft ein:Gerechtigkeit, Gerechtigkeit, Gerechtigkeit — ohne weichlichesErbarmen und ohne Ansehen der Person 92 . Jede Art der Be-stechung und Bestechlichkeit ist durchaus unstatthaft 93 . Wenn dieBürger ihre staatlichen Pflichten gewissenhaft erfüllen, so winktihnen reichster Segen im Diesseits und Jenseits: vor allem dieFreiheit, die kostbarer ist als Gold und Silber, sodann die Fülleirdischen Wohlstands für den einzelnen wie für die Gesamtheit,endlich die Blüte der Religion und ewige Seligkeit. Je mehr einStaatswesen von religiösem Geiste durchdrungen ist, in um sohöherem Maße hat es Eintracht^ Gehorsam, Reichtum und Stärke15*